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10 Prozent – Die Inflation ist gekommen, um zu bleiben!-Gastkommentar Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

 

Gastkommentar von Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

So stark wie noch nie seit 1950 stiegen die Verbraucherpreise im September in Deutschland gegenüber dem Vorjahr. Die Bürger müssen also zehn Prozent mehr als noch vor einem Jahr im Durchschnitt für ihren Lebensunterhalt aufwenden. Wer sein Geld auf dem Konto oder Sparbuch oder in anderen bislang unverzinslichen Anlagen liegen hat, der hat real zehn Prozent seines Vermögens eingebüßt.
 
Vor gut einem Jahr am 15. Juni 2021 konnte sich dies noch keiner vorstellen. An diesem Tag lag die Inflation bei 2,3 Prozent und es erschien im Finanzbuchverlag mein Buch „Die Inflation kommt! Wie Sie sich schon jetzt schützen!“ Zwar konnte auch ich den Ukraine-Krieg nicht voraussehen, wohl aber, dass die aufgestaute Nachfrage nach Beendigung der Corona-Lockdowns bei einem zunächst verringerten Waren- und Dienstleistungsangebot zu einem Preisschub führen würde. Es sollte nicht vergessen werden, dass schon vor Ausbruch des Ukraine-Krieges die Inflation in Deutschland bei 4,9 Prozent lag.
 
Eher vier statt zwei Prozent
Zunächst ging die große Mehrheit der Volkswirte und Zentralbanker davon aus, dass die Inflation nur vorübergehend sei und sie irrte sich auch hier. Schaut man auf die aktuellen Inflationsprognosen des Marktes, so geht dieser immer noch davon aus, dass die Inflation in den kommenden fünf Jahren wieder in den Bereich von zwei Prozent fallen wird. Ich sehe dies abermals anders. Es gibt einige Inflationstreiber, die dafür sorgen werden, dass wir längere Zeit ein Inflationsniveau von eher vier statt zwei Prozent sehen werden.
 
Raus aus den Billiglohnländern
Da ist zum einen die Energiewende und die Dekarbonisierung der Gesellschaft, deren Kosten die Bürger tragen müssen. Ein weiterer Faktor ist die De-Globalisierung. Die Corona-Krise und der Ukraine-Krieg haben uns schmerzhaft vor Augen geführt, dass wir uns in den vergangenen Jahrzehnten massiv abhängig von autokratischen Regimen gemacht haben. Diese Abhängigkeit soll nun reduziert und die Produktion wichtiger Güter wie Medikamenten oder auch wichtiger Rohstoffe in die westlichen Industrieländer zurückgeholt werden. Verlagert wurde die Produktion in die Billiglohnländer, weil es dort zu deren Löhnen und geringeren Umwelt- und Sicherheitsstandards billiger war, zu produzieren. Wenn wir die Produktion jetzt zurückholen, dann wird es logischerweise teurer.
 
Von der Arbeits- in die Arbeiterlosigkeit
Und vom Zeitalter der Arbeitslosigkeit kommen wir in das Zeitalter der Arbeiterlosigkeit. Dabei mangelt es längst nicht mehr nur an Fachkräften, sondern mittlerweile auch an weniger Qualifizierten. Die Welt steht vor einem großen demographischen Wandel. Bisher wuchs die Anzahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter, was die Arbeitskraft entsprechend günstiger gemacht hat. Zukünftig sinkt diese Zahl auch in Ländern wie China beispielsweise durch die Ein-Kind-Politik. Das bedeutet, wir haben zukünftig auf der einen Seite noch viele Rentner, die nicht mehr arbeiten, aber konsumieren und auf der anderen Seite immer weniger Menschen, die Waren produzieren oder Dienstleistungen erbringen.
 
Insofern werden wir uns über längere Zeit mit Lohninflation oberhalb der Zweiprozentmarke befassen müssen. Auf Konsumenten und Sparer hat dies vor allem langfristig massive Auswirkungen. Nur wer sein Vermögen richtig anlegt, wird auch nach einer längeren Dekade mit höherer Inflation noch über eines verfügen.