die Wertschöpfungsanalyse

Aktien bewerten – die Wertschöpfungsanalyse

Die Wertschöpfungsanalyse

Teilanalyse Wertschöpfung

Um die finanzielle Situation eines Unternehmens zu beurteilen, dient der Jahresabschluss. Die Wertschöpfungsanalyse gehört zur Teilanalyse innerhalb der Bilanzbewertung. Das Ergebnis muss mit anderen Teilanalysen zusammengeführt werden, um ein realistisches Gesamtbild der Aktiengesellschaft zu erhalten. Zuvor wird die Auswertung der Wertschöpfung detailliert sowie unbeeinflusst von anderen Aspekten durchgeführt.

Die Grundlage der Wertschöpfungsanalyse ist die Gewinn-und-Verlust-Rechnung des Betriebs. Bei der Bewertung werden die Entstehungs- sowie die Verwendungsrechnung getrennt analysiert. Zuerst wird die Entstehungsrechnung betrachtet. Die Umsatzerlöse plus die Bestandsveränderungen fertiger sowie unfertiger Produkte plus die aktivierten Eigenleistungen ergeben die Gesamtleistungen. Die sonstigen betrieblichen Erträge werden zur Gesamtleistung addiert. Das Ergebnis ist der Produktionswert, der als Ausgangsgröße dient.

Produktionswert minus aller Vorleistungen = Wertschöpfung

Alle Vorleistungen werden erfasst. Der Aufwand für alle Roh- Hilfs- und Betriebsstoffe wird addiert. Hinzu kommen die Abschreibungen sowie sonstigen Aufwendungen. In den Vorleistungen sind sowohl Produkte als auch Leistung seitens Lieferanten enthalten. Dabei handelt es sich um Fremdleistungen, die außerhalb des analysierten Unternehmens zustande kamen. Die gesamten Vorleistungen werden vom Produktionswert abgezogen. Das Ergebnis ist die Wertschöpfung. Der Produktionswert minus Vorleistungen ergibt die Wertschöpfung eines Betriebs.

Abschließend geht es um die Verwendung der Wertschöpfung. Diese zeigt die Verteilung des erzielten Einkommens. Dazu gehören der Personalaufwand, die Rückstellungen, die Zinsen, die Steuern sowie der Gewinn. Die Zinsen beispielsweise werden den Banken zugeordnet, ihr Anteil an der Wertschöpfung der Gesellschaft. Die Steuern gehören zum Staat. Die Restgröße ist der Gewinn. Dieser wird den Gesellschaftern zugeteilt.

Die Einnahmen müssen höher als die Ausgaben sein

Mithilfe der Wertschöpfung sowie der Verwendung der Wertschöpfung können die Produktivität und die Leistungskraft des Unternehmens beurteilt werden. Unterschieden wird zwischen einer positiven wie auch einer negativen Wertschöpfung. Übersteigen die Einnahmen die Ausgaben, ist ein Gewinn vorhanden. Ein Verlust entsteht, wenn die Ausgabenseite im Vergleich zur Einnahmenseite stärker ins Gewicht fällt. Für eine positive Wertschöpfung muss der Ertrag höher und der Aufwand niedriger, Output größer als Input sein.

Bei Unternehmen, die ein nicht gewinnorientiertes Ziel verfolgen, kann die Wertschöpfungsanalyse nicht angewandt werden. Hilfsorganisationen oder staatliche Unternehmen mit sozialen Aufgaben arbeiten im volkswirtschaftlichen Sinne nutzorientiert. Demnach spielt bei der Bewertung der Wertschöpfung der Wirtschaftssektor eine Rolle. Bei Banken und Versicherungen ist der Fokus auf Gewinne ausgeprägter als bei ökologisch wirtschaftenden Betrieben.

Die Wertschöpfungsanalyse ist Teil einer Gesamtbetrachtung

Weitere Teilanalysen beinhalten die Bewertung der Struktur, des Erfolgs, der Finanzen, des Cashflows, des Kapitalflusses und der Aktien. Die Evaluierung der Wertschöpfung im Vergleich zum Umsatz sowie zur Umsatzentwicklung wird insbesondere bei Heranziehung vergleichbarer Unternehmen aussagekräftig. Analysten beschäftigen sich mit den Ergebnissen der Arbeits-, Kapital- und Gewinnerträge.

Betriebsintern bringt die Wertschöpfungsanalyse Hinweise auf Verbesserungspotenziale hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit zur Branchenkonkurrenz. Gebietsweise analysiert sie die Wirtschaftlichkeit einer Region. Bei der Berechnung des Bruttoinlandsproduktes eines Staates wird auf die Wertschöpfung in der Entstehungsrechnung zurückgegriffen. Jedes Unternehmen trägt mit seiner Wertschöpfung zum Volkseinkommen bei.

Mehrwert für Käufer schaffen

Ohne Wertschöpfung könnten keine Gehälter gezahlt oder Dividenden ausgeschüttet werden. Am Anfang steht die Idee für ein Produkt oder eine Dienstleistung, die Konsumenten einen Nutzen bringen könnten. Kommt die Ware auf den Markt, entsteht eine Kaufbereitschaft. Der Marktpreis kann umso höher sein, je größer der reale oder subjektive Mehrwert für die Käufer ist. Ist die Ware zu teuer, gibt es zu wenig oder keinen Umsatz.

Um die Ware herzustellen oder die Dienstleistung zu erbringen, bedarf es Vorleistungen von Dritten. Beispielsweise wird dem Betrieb Material, aber auch Strom für Maschinen vorher zur Verfügung gestellt. Alle Angestellten sind in ihrem individuellen Arbeitsbereich am Herstellungsprozess beteiligt. Wenn der Verkaufspreis für das Endprodukt höher ist als die Summe aller Vorleistungen, entsteht Wertschöpfung. Der neu erzielte Wert wird im Anschluss an alle Beteiligten verteilt.

Alle Beteiligten erhalten einen Anteil an der Wertschöpfung

Die Angestellten bekommen die Gehälter, der Staat die Steuern. Staatliche Vorleistung ist beispielsweise die Infrastruktur, von der das Unternehmen profitiert. Die Gesellschafter erhalten die Gewinne. Diese werden für die Reinvestition oder für die Gewinnbeteiligung der Aktionäre mittels Dividendenausschüttung verwendet. Die Aktionäre profitieren vom geschaffenen Mehrwert.

Hinter der Wertschöpfung sowie der Wertschöpfungsanalyse steht die Ausgangsfragestellung, wie Wertschöpfung (sinnvoll) gemessen werden kann und in welchem (gerechten) Verhältnis sie an die am Wertschöpfungsprozess Beteiligten aufgeteilt werden sollte.

Formeln zur Wertschöpfung

Wertschöpfung = Gesamtleistung – Vorleistung

Nettowertschöpfung = Einnahmen – Vorleistungen – Abschreibungen

Bruttowertschöpfung = Nettowertschöpfung + Abschreibungen