Nachschusspflicht – die Verpflichtung zu weiteren Zahlungen

Der Begriff der „Nachschusspflicht“ wird häufig im Zusammenhang mit den Einlagen der Gesellschafter an einem Unternehmen verwendet. Er taucht aber auch beim Handel mit Devisen oder Differenzkontrakten auf, bei dem sogenannten Trading. Vereinfacht gesagt steht die Nachschusspflicht für eine Verpflichtung auch über eine festgelegte Einlage hinaus noch Geld zuzuschießen. Im schlimmsten Fall kann eine vereinbarte Pflicht zum “Nachschießen” den Gesellschafter oder den Trader sogar in enorme finanzielle Schwierigkeiten bringen. Was also müssen Sie rund um dieses Thema wissen?

Eine Pflicht zur Zahlung weiterer Einlagen

Eine Nachschusspflicht wird per Gesetz, per Satzung oder per Vertrag vereinbart. Somit kann sie vor allem durch eine Satzung oder einen Vertrag auch ausgeschlossen oder wenigstens beschränkt werden. Eine unbeschränkte Nachschusspflicht könnte nämlich dazu führen, dass der Gesellschafter erhebliche Mittel in ein Unternehmen einbringen muss.

Für den Gesellschafter einer Genossenschaft besteht eine gesetzlich festgelegte Pflicht, wobei es keine Rolle spielt, ob die Genossenschaft beschränkt oder unbeschränkt haftet. Bei einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung kann eine Nachschusspflicht in der Satzung oder im Vertrag festgehalten werden. Die gesetzliche Grundlage dafür ist das GmbH-Gesetz. Die Einzahlung des Nachschusses erfolgt entsprechend dem Verhältnis der Gesellschafter an den Anteilen. Ein Gesellschafter, der einen hohen Anteil an dem Unternehmen hält, muss also mehr Geld nachschießen als ein Gesellschafter mit einem geringen Anteil. Keine durch das Gesetz festgelegte Nachschusspflicht trifft Aktionäre oder die Gesellschafter von offenen Handelsgesellschaften oder von Kommanditgesellschaften.

Die Nachschusspflicht bei Sanierungen erforderlich

In erster Linie ist ein Nachschuss nötig, wenn ein Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage gerät. Reichen die vorhandenen Mittel nicht mehr aus um den laufenden Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten, ist es unter Umständen zwingend nötig, dass die Gesellschafter aus privaten Mitteln Geld nachschießen. Auch bei einer drohenden Sanierung ist ein Nachschuss oft nicht zu vermeiden. In diesem Fall ist es meist besser, einen überschaubaren Betrag in das Unternehmen einzuzahlen als den Konkurs zu forcieren. Wenn also ein Nachschuss gefordert wird, sollte man sich als Gesellschafter darüber klar sein, dass die Firma offensichtlich in finanziellen Schwierigkeiten steckt und dass dringender Handlungsbedarf besteht.

Was die Nachschusspflicht beim Trading ausmacht

Auch bei Handel mit Devisen, Rohstoffen oder Differenzkontrakten gibt es eine Nachschusspflicht. Der Kauf und Verkauf dieser Assets fällt unter das Trading, das zwar einerseits große Gewinnchancen birgt, aber andererseits auch zu enormen Verlusten bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen kann. Deshalb sollte jeder Trader den Begriff der Nachschusspflicht kennen und wissen, wie seine Verpflichtung geregelt ist. Eine Nachschusspflicht kann bestehen, wenn man Wertpapiere auf Kredit kauft und wenn der Wert des Depots dann unter den Wert des Kredits fällt. In diesem Fall ist der Depotwert nicht hoch genug, um den Kredit zu decken, deshalb kann von der Bank ein Nachschuss der Differenz gefordert werden.

Noch häufiger gibt es eine Nachschusspflicht beim Handel mit Derivaten, wie es zum Beispiel Differenzkontrakte sind. Um einen Nachschuss zu vermeiden, sollte ein Trader für den Handel kein Geld seines Brokers oder von einer Bank leihen. Auch bei Finanzinstrumenten mit Hebel kann eine Nachschusspflicht gegeben sein, weil durch den Hebel schon mit einer geringen Summe viel Kapital investiert wird. Wer sich für das Trading interessiert, sollte sich frühzeitig über die Möglichkeiten informieren, wie die Nachschusspflicht begrenzt oder ganz ausgeschlossen werden kann.

Nachschüsse aus der Nachschusspflicht kann die Existenz gefährden

Sowohl für Gesellschafter als auch für Trader ist die Nachschusspflicht ein Thema, das man nicht unterschätzen sollte. Vor allem bei einer unbegrenzten Nachschusspflicht kann sie im schlimmsten Fall zu einer Gefährdung der Existenz führen, wenn Sie für die Beteiligung an einem Unternehmen einen hohen Anteil an Ihrem privaten Vermögen nachschießen müssen. Es gibt einige Möglichkeiten, wie Sie Ihre Verpflichtung zu Ihrer eigenen Sicherheit begrenzen. Darüber sollten Sie sich in Ihrem eigenen Interesse rechtzeitig informieren und durch vertragliche Regelungen entsprechende Vereinbarungen treffen. So profitieren Sie von den Vorteilen Ihrer Beteiligung oder Ihrer Geldanlage, halten aber die Nachteile für Sie in einem überschaubaren und kontrollierbaren Rahmen. Gerade für Trader ist in diesem Zusammenhang interessant, dass einige Broker zum Schutz der Anleger überhaupt keine Nachschusspflicht mehr verlangen. Vor allem Einsteiger sollten sich für einen solchen Online-Broker entscheiden, um das Risiko von Verlusten so weit wie möglich einzugrenzen.

Tipps und Informationen für Anleger und Sparer

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