Was ist kapitalgewichteter Index
Ein kapitalgewichteter Index ist eine definierte Liste von Aktienunternehmen, die einen bestimmten Markt widerspiegeln. Die Aktienunternehmen nehmen einen kapitalgewichteten Platz in der Liste ein. Das bedeutet, sie erhalten einen prozentualen Anteil am Index, der ihrer Marktkapitalisierung entspricht. Klassische europäische Indizes, wie der DAX (Deutscher Aktienindex), sind kapitalgewichtet.
Welche Zusammensetzung spiegelt die Realität des Marktes wieder?
Ein Index ist ein theoretisches Konstrukt, der versucht einen Markt zu repräsentieren. Indizes, besonders Leitindizes, stellen eine Kennzahl für die Marktentwicklung dar. Damit ein Index als Marktbarometer gelten kann, muss er eine repräsentative Auswahl der Aktienunternehmen des jeweiligen Markts beinhalten. Wie das geschehen muss, darüber gibt es weder in der Theorie noch in der Praxis Einigkeit. Indexbetreiber haben mehrere Möglichkeiten der Indexzusammenstellung entwickelt. Naheliegend ist Idee, jedem Aktienunternehmen am Markt den gleichen Rang im Index zu geben. Damit wäre der Index gleichgewichtet. Jedes Aktienunternehmen, ob klein oder groß, erhält den gleichen prozentualen Anteil in dem Index.
Ein kapitalgewichteter Index steht hierzu im Gegensatz. In der Realität nehmen große Unternehmen einen größeren Platz am Markt ein als kleinere. Dementsprechend sollen sie einen großen Platz im Index erhalten. Dies geschieht über ihre Marktkapitalisierung. Auf diese Weise nehmen große Unternehmen prozentual ein größeres Gewicht im Index ein, als kleine Unternehmen.
Die Marktkapitalisierung als Gewichtungskriterium
Die Marktkapitalisierung berechnet sich wie folgt: Kurswert der Aktie * Anzahl der ausgegebenen Aktien des Unternehmens
Ein Beispiel:
Anzahl der emittierten Aktien eines Unternehmens: 1.000.000
Aktueller Kurswert der Aktie: 100 Euro
Aktuelle Marktkapitalisierung: 100 Euro * 1.000.000 Aktien = 100.000.000 Euro.
Dieses Beispiel berücksichtigt sämtliche Aktien des Unternehmens. Ein kapitalgewichteter Indix, wie der DAX, berechnen die Marktkapitalisierung nur mit Aktien, die sich im Streubesitz befinden, so genannte Free Float – Aktien. Aktien von Großaktionären, die mehr als fünf Prozent der Unternehmensaktien besitzen, fließen nicht in die Rechnung mit ein. In diesem Fall entspricht die Marktkapitalisierung nicht dem tatsächlichen Börsenwert des Unternehmens:
Kurswert der Aktie * Anzahl der Aktien im freien Umlauf
Warum ist der prozentuale Indexanteil eines Aktienunternehmens wichtig?
Kapitalmarktakteure nutzen einen Index nicht lediglich als Informationsmedium und Kennzahl für eine Marktentwicklung. Sie investieren auch in den Index. Dafür kaufen sie die Aktien der Indexunternehmen im selben Verhältnis nach. Über einen kapitalgewichteten Index beteiligt sich ein Investor an Großunternehmen prozentual höher als an kleinen Unternehmen. Investoren, die in einen gleichgewichteten Index anlegen, beteiligen sich an sämtlichen Unternehmen, große sowie kleine, gleichermaßen.
Kapitalgewichteter Index in der Kritik
Je höher das Gewicht eines Unternehmens in einem kapitalgewichteten Index ist, desto größer wirken sich seine Kursänderungen auf die Indexentwicklung aus. Auf diese Weise bestimmen große Unternehmen die Entwicklung des Index. Die Gewinne und insbesondere die Risiken der Geldanlagen hängen in großem Maße von der Entwicklung der Indexschwergewichte ab. Teilweise gehören diese zusätzlich zum selben Marktsektor. Es entstehen Klumpenrisiken.
Weitere Möglichkeiten der Gewichtung
Eine weitere Möglichkeit ist der preisgewichtete Index. Die Gewichtung der Unternehmen findet bei preisgewichteten Indizes nach dem Kurs ihrer Aktien statt. Einer der bekanntesten preisgewichteten Indizes ist der amerikanische Dow Jones. Ein hoher Kurswert einer Aktie führt zu einem höheren Indexgewicht des Unternehmens. Unternehmen mit niedrigen Kurswerten nehmen folglich ein geringeres Gewicht ein, unabhängig von ihrer Größe. Es kann passieren, dass kleine, aber teure Unternehmen ein höheres Gewicht erhalten als große Unternehmen.
Der Kapitalmarkt hält darüber hinaus alternativ gewichtete Indizes vor. Diese orientieren sich an bestimmte Anlagestrategien und gewichten nach diesen Richtlinien die Leitindizes neu. Eine bekannte Anlagestrategie ist die Dividendenstrategie. Dividendenorientierte Indizes, wie der deutsche DivDAX, gewichten dividendenstarke Aktienunternehmen höher als Unternehmen mit niedrigen Dividenden.