Inverse Zinsstruktur – Vorbote einer Rezession?

In den letzten Wochen des vergangenen Jahres wurde in den Medien öfters der Begriff inverse Zinsstrukturkurve als Vorbote einer möglichen Rezession gebraucht. Auch wir haben die inverse Zinsstruktur als einen Grund für den Abverkauf der letzten Wochen angeführt. Darum wollen wir jetzt etwas näher auf den Begriff eingehen.

Was ist eine inverse Zinsstruktur?

Das Wort invers kommt aus dem Lateinischen und bedeutet laut Duden so viel wie umgekehrt oder als Substantiv fachsprachlich verwendet auch Umkehrung oder Umstellung.

Im Zusammenhang mit der Zinsstruktur bezeichnen Finanzexperten den Fall als invers, wenn die Renditen für kürzer laufende Anleihen höher liegen als für länger laufende festverzinsliche Wertpapiere. Oder aber analog dazu bedeutet eine inverse Zinsstruktur auch, wenn es beispielsweise für Tagesgeld höhere Zinsen gibt als für einjähriges Festgeld.

Wir wissen, dass es am Kapitalmarkt in der Regel umgekehrt zugeht: Je länger die Laufzeit, desto höher die Rendite (Anleihen) beziehungsweise der Zins (Festgeld).

Warum ist die Inversion einer Zinskurve gefährlich?

Steigen die Leitzinsen wie jetzt in den USA, wirkt sich das auf kurzfristige Staatsanleihen aus. Denn bei höheren Zinsen werden Anleger dem Staat natürlich nur noch dann Geld leihen und damit Staatsanleihen erwerben, wenn sie dafür kurzfristig auch eine entsprechende Rendite bekommen. Weil aber unsicher ist, wie sich die Zinsen auf längere Sicht entwickeln werden, nähern sich die Renditen kurz- und langfristiger Papiere an. Es droht die genannte inverse Zinskurve.

Alan Greenspan, der legendäre, langjährige Chef der US-Notenbank (Fed), ignorierte diese Entwicklung trotz der eindringlichen Warnungen von Ökonomen im Jahr 2005, als die Inversion der Kurve sich abzeichnete. Die schrecklichen Folgen sind bekannt. Die Wirtschaft in den USA schlitterte in eine Rezession, was den Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2008 nach sich zog, deren Folgen bis heute noch nicht überwunden sind.

Die Lehren aus der Geschichte werden ignoriert

Genau wie damals bewegt sich die Zinskurve auch aktuell wieder in Richtung Inversion. Mehrere führende Ökonomen und Regionalpräsidenten der US-Notenbank sind vom Kurs der FED nicht begeistert und schlagen deshalb Alarm. Sie halten die Zinskurve für einen verlässlichen Indikator und befürchten eine Rezession. Die Schuld dafür suchen sie bei Fed-Chef Jerome Powell, der sich um eine Normalisierung der Geldpolitik bemüht und die Zinsen in den USA anhebt. Manche Spezialisten wie James Bullard von der St. Louis Fed und andere meinen hierzu, dass er es damit angesichts der niedrigen Inflationsrate übertreibt und dass er so die inverse Zinskurve und die damit aufziehende Rezession geradezu provoziert.

Genau wie damals Alan Greenspan vermittelt der aktuelle Fed-Chef den Eindruck, dass keine Gefahr drohe. Die Wirtschaft sei robust genug und die Steigerung der Inflation zufriedenstellend, sodass die Notenbank weiterhin die Leitzinsen erhöhen könne, meinte er noch in einer Kongressanhörung im Sommer 2018.

Um seinen Job ist Powell wirklich nicht zu beneiden. Einerseits will er die Leitzinsen erhöhen, um den Krisenmodus in der Geldpolitik endlich nach über zehn Jahren hinter sich zu lassen. Das Problem ist andererseits aber: Steigen die Leitzinsen, wirkt sich das, wie bereits erläutert, eben auch auf die Staatsanleihen mit kürzeren Laufzeiten aus.

Wie verlässlich ist der Zusammenhang von Inversion und Rezession?

„Der Zusammenhang zwischen inverser Zinsstrukturkurve und steigender Rezessionswahrscheinlichkeit ist relativ gut gesichert“, sagt Tobias Schuler, Ökonom am renommierten Ifo-Institut in München. In der gegenwärtigen Situation sei der Indikator aber möglicherweise weniger verlässlich als in der Vergangenheit. „In der aktuellen Phase befindet sich die Geldpolitik in den USA auf Normalisierungskurs, das heißt, die Fed hebt die kurzfristigen Zinsen an. Die Fed hält weiterhin große Bestände an langfristigen Anleihen, was dazu führt, dass die langfristigen Zinsen niedriger sind, als sie es ohne Eingreifen der Zentralbank wären. Das erklärt teilweise, warum die Zinskurve aktuell flacher wird“, erklärt Schuler.

Fazit

Wir wissen nicht, ob Jerome Powell die Einschätzung aus München teilt, aber er scheint seinen geradezu autistischen Kurs von Zinserhöhungsschritten im geplanten Vierteljahrestakt jetzt aufzugeben. Zumindest lässt er verlauten, es soll nur noch zwei Zinsschritte 2019 geben. Und ganz wichtig dabei ist, die volkswirtschaftliche Situation soll mit berücksichtigt werden. Offensichtlich will er später einmal nicht als der Fed-Chef in die Geschichtsbücher eingehen, der die Weltwirtschaft trotz aller Warnungen durch unbedachtes Handeln in eine neue internationale Finanzkrise gestürzt hat.

Für die EZB wird es allerdings Zeit, die Zinsdifferenz zur US-Notenbank zu verringern, denn in einer Rezession hat sie bereits schon heute keine Mittel im Zinsbereich mehr zur Hand. Das Kapital geht eben dorthin, wo es die höchste Rendite bei größtmöglicher Sicherheit erwirtschaften kann – Zinsstruktur hin oder her.

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