Feindliche Übernahmen und Abwehrstrategien

Nicht jede Übernahme geht im gegenseitigen Einvernehmen (freundliche Übernahme) der Vorstände und Aufsichtsgremien beider Seiten über die Bühne.Wenn sich ein Investor oder eine Investorengruppe an die Eigentümer eines anderen Unternehmens wendet, ohne vorher die Zustimmung des Management und des Aufsichtsrates des geplanten Übernahmeunternehmens einzuholen, dann liegt nach gängiger Definition ein feindlicher Übernahmeversuch bzw. beim Gelingen eine feindliche Übernahme vor. In Fachkreisen wird auch von einer unkoordinierten Übernahme eines Unternehmens gesprochen, aber im Alltag hat sich der Begriff feindliche Übernahme als Gegenpol zu einer freundlichen Übernahme eingebürgert.

Abwehrstrategien gegen feindliche Übernahmen

Wird ein Übernahmeversuch vom Management des Übernahmekandidaten als feindlich eingestuft, dann hat es die Möglichkeit diesen abzuwehren, denn auch eine feindliche Übernahme geschieht nicht von heute auf morgen. Dazu gibt es verschiedene Strategien.

Giftpille

Diese Strategie wird bei einem unzureichenden Angebot der Gegenseite sowie beim Vorliegen Schutzbedürftigkeit der Anleger nach Ansicht des Managements angewandt. Es geschieht, wenn eine Offerte trotz Warnungen erfolgreich sein könnte. Ziel dieser Maßnahme ist es dabei, die Attraktivität des Unternehmens für den Bieter zu schmälern. Das Unternehmen sorgt dafür, dass die günstige Börsenbewertung nicht uneingeschränkt genutzt werden kann. Dazu haben sich drei Wege herauskristallisiert.

Veräußerung von Unternehmensteilen

Viele Übernahme wollen nicht den gesamten Konzern übernehmen, sondern nur einen Bereich oder mehrere spezielle Teile. Um die Attraktivität zu vermindern, werden diese Unternehmensteile einfach verkauft. Wenn der verbliebene Rest nicht zur Geschäftsstrategie des bietenden Unternehmens passt und sogar nach dem Deal veräußert werden soll, dann kann diese Giftpille wirken und der Bieter gibt seine Pläne auf.

Gut gefüllte Kasse leeren

Stellt sich heraus, ein Unternehmen wird nur wegen seines Cash als Übernahmekandidat gehandelt, dann erweist es sich als hilfreich, dieses Geld auszugeben. Das kann durch den Zukauf eines teuren Unternehmens geschehen, wenn die Aktionäre damit einverstanden sind.

Was meistens geht, ist der Weg des Aktienrückkaufs. Dann ist die Kasse leer und das Unternehmen hat für die Aktionäre ein wertvolleres Unternehmen geschaffen.

Kapitalerhöhung

Am erfolgreichsten hat sich der Weg über eine Kapitalerhöhung den interessierten Bieter abzuschrecken. Durch die Ausgabe neuer Aktien verteuert sich die Übernahme so sehr, dass es sich für den Feind nicht mehr rentiert.

Generell lässt sich in der Praxis feststellen, dass es meistens ausreicht, mit einer der drei Giftpillen nur zu drohen. Es kommt dann zu Nachverhandlungen und mit einem höheren Preis, so dass alle Aktionäre einen Mehrwert erzielen.

Pac- Man Strategie

Inhalt dieser Strategie ist der Wandel des Gejagten zum Jäger. Was aus einem Computerspiel hervorging (daher auch der Name), bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Strategie.

Es kommt dabei nicht immer auf die Größe des Unternehmens an, sondern wer das meiste Geld für eine Übernahme zusammen bekommt, also auf die Finanzstärke. Groß übernimmt klein, dieser allgemein geltende Grundsatz wird bei der Pac- Man Strategie mit einem Gegenangebot ausgehebelt. Voraussetzung dabei ist, dass der Gejagte sehr schnell Finanzinvestoren für ein Gegenangebot gewinnen kann. In der Regel wird er es nicht aus eigener Kraft schaffen, denn meistens sind die größeren Unternehmen auch die finanzstärkere Seite.

Aber wie die Geschichte der Übernahmen in der Vergangenheit zeigt, kann so ein Deal durch funktionieren.

Das nur die Androhung Pac- Man Strategie Wirkung zeigt, ist auch in der Praxis hinlänglich bewiesen. So gab bspw. der australische größere Konzern BHP Billliton nach einer angedrohten Gegenofferte des Konkurrenten Rio Tinto seine Pläne für eine feindliche Übernahme auf.

Aber es gibt im anglo- amerikanischen Raum wesentliche mehr Freiheiten, Übernahmen abzuwehren als wie im streng regulierten Deutschland. Der Baukonzern Hochtief weiß zum Beispiel das aus eigener Erfahrung, als der ACS Konzern mit einer feindlichen Übernahmeofferte erfolgreich war und er wegen der Gesetzeslage stillhalten musste.

Weißer Ritter

In Europa ist aber die Rettung durch einen sogenannten Weißen Ritter erlaubt. Als weißer Ritter wird ein Unternehmen bezeichnet, das einem von einer feindlichen Übernahme bedrohten Unternehmen erfolgreich zur Seite steht. Das kann in Form eines finanziellen Gegenangebotes bis zu einer Übernahme des bedrohten Unternehmens gehen. Vielleicht erinnern sich noch einige an die Porsche – VW- Geschichte aus dem vergangenen Jahrzehnt. Porsche trat als Weißer Ritter auf, um zusammen mit dem Land Niedersachsen die Übernahme der Volkswagen AG durch Hedgefonds zu verhindern.

Übrigens, der übernehmende Konzern wird als Schwarzer Ritter bezeichnet.

Egal, welche Abwehrstrategie zum Einsatz kommt, die großen Übernahmen bewegen die Märkte und treiben die Kurse. So kann auch ein Kleinanleger an feindlichen Übernahmen verdienen, vorausgesetzt, er besitzt die entsprechenden Aktien in seinem Depot. Oder er hat den Weg über einen Fonds gewählt.

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