Das Ende einer Ära, Weltspartag und 10 Jahre Bitcoin

Das Ende einer Ära, Weltspartag und 10 Jahre Bitcoin

Sehr viel geschah Ende Oktober.

Das Ende der Ära Merkel

Die Börsen jubelten über einen Rücktritt – das Ende einer Ära, deren letzte Phase vielleicht einmal als die „Bleierne Zeit“ in die Geschichtsbücher eingehen wird. Angela Merkel zog die Konsequenzen aus den Wahldesastern der Vergangenheit und trat zurück. Na schön, so ganz noch nicht … erst einmal nur vom Parteivorsitz der Regierungspartei CDU, aber sie wird auch nicht mehr um das Kanzleramt bei den Wahlen 2021 kandidieren. Begeistert zeigten sich die Börsen, dass der ausgewiesene Finanzfachmann und Jurist Friedrich Merz, der derzeit beim weltgrößten Vermögensverwalter Black Rock in einer Spitzenposition tätig ist, sein Comeback versucht und sich für den CDU-Vorsitz zur Wahl stellt. Wenn er es wird, dauert es nicht mehr lange, und es gibt auch einen Kanzler Merz, vielleicht schon ein Jahr später – Neuwahlen hin oder her.

Das würde die Wirtschaft euphorisieren, wenn nach Ludwig Erhard und Helmut Schmidt jemand mit wirtschaftlichem Sachverstand die politische Führung übernähme. Die für den Bürger viel zu teure Energiewende mit dem Atomausstieg, ob sinnvoll oder nicht, wäre dann so ein Problem, dass ad hoc neu entschieden werden müsste. Die Unsicherheit über die Zukunft der Energieversorgung nagt seit Jahren an den Kursen und Renditen der Aktien von EON, RWE und & Co.

Die Finanzkrise ist zudem immer noch nicht ausgestanden, nur mit viel Geld, vor allem deutschem Steuergeld und Bürgschaften, zugeschüttet worden. Und die nächste Finanzkrise schleicht sich über Italien schon wieder an. Um diese zu lösen, bedarf es jedoch auch mal eines konsequenten „Neins“ von deutscher Seite zu weiteren Zahlungen und Bürgschaften. Das Credo „Stirbt der Euro, stirbt Europa (EU)“ muss ergänzt werden um: aber Deutschland mit der Deutschen Mark wird dann befreiter leben.

Auch das Problem Brexit ist noch nicht vom Tisch und sollte auf gar keinen Fall mit mehr deutschen Steuergeldern für die EU-Kassen gelöst werden. Stattdessen sollte die EU auf Sparsamkeit und Effizienz getrimmt werden. Wir haben selbst genügend bekannte Probleme im Land, die es anzugehen gilt – Infrastruktur, marode Schulen, flächendeckendes schnelles Internet etc.

Konjunkturprobleme, freier Welthandel, Sanktionsdrohungen, Bürokratieabbau (ja auch die bierdeckelgroße Steuererklärung) sind nur einige wenige Dinge, die auf den neuen CDU-Chef warten und einer sofortigen und nachhaltigen Lösung bedürfen.

Der Weltspartag

Der Weltspartag findet alljährlich in der letzten Oktoberwoche statt. Er geht auf den 1. Internationalen Sparkassenkongress (First International Thrift Congress) im Oktober 1924 zurück.

Die Deutschen gelten als Weltmeister des Sparens, und trotz extrem niedriger Zinsen ist die Sparquote zuletzt zum 4. Mal in Folge gestiegen. Alarmierend dabei ist allerdings, dass deutsche Privathaushalte ein Viertel ihres Geldvermögens als Bargeld oder auf extrem niedrig verzinsten Bankkonten vorhalten. Damit ist auch der Geldanlagestau weiter gewachsen.

Und anstatt für lukrativere Anlagen wie Aktien und Aktienfonds schon bei den Jüngsten zu werben, werden weiter Sparschweine als Marketing-Gags verteilt. Dabei lässt sich auch die Performance von Aktienfonds kindgerecht, bunt und beweglich in unserer digitalisierten Welt darstellen. Dazu braucht es aber eine andere Marketingstrategie und natürlich auch Ideen. Wenn die Großeltern mit dem Sparbuch kommen und die Eltern nichts anderes kennen, warum sollte die folgende Generation also etwas anderes tun? Es kommt aber darauf an, die vorhandenen Kapitalströme zu einem renditeträchtigen Investment werden zu lassen und nicht auf einem Buch oder einer Karte zu vernichten. Aber bis zu dieser Änderung im Bewusstsein werden wohl noch einige Jahrgänge die niedlichen bunten Sparschweine mit dem Logo der Banken erhalten.

10 Jahre Bitcoin – Sekt oder Selters?

Immerhin hat es der Bitcoin in den Duden geschafft: „eine Form von elektronischem Geld, das dezentral auf der Basis eines Computernetzwerks erzeugt wird. Es verbindet Eigenschaften von Bargeld mit solchen von internationalen elektronischen Überweisungen.“ So wird er im „Neuen Wörterbuch der Szenesprachen“ erklärt.

Der Grundstein für den Bitcoin wurde vor 10 Jahren von einer bis heute unbekannten Person gelegt, die unter dem Namen Satoshi Nakamoto ein Papier veröffentlichte, das die Prinzipien für autonomes digitales Geld beschrieb. Die revolutionäre Idee dahinter: keine Kontrolle durch eine Zentralbank und keine nationalen Grenzen.

Die Blockchain-Technologie sollte dafür sorgen, dass alle Transaktionen nacheinander registriert werden. Wenn jemand versucht, die Kette von Datenblöcken zu verändern, fällt das sofort auf, weil es viele Kopien gibt. Dass es schon ein paarmal passiert ist, dass Geld in Millionenhöhe verschwunden ist, mag zwar aufgefallen sein, hilft den Betroffenen aber nicht unbedingt.

Anfang 2017 kostete ein Bitcoin rund 1000 Dollar. Im Dezember 2017 waren es schon knapp 20 000 Dollar. Der Preis hatte sich also innerhalb von weniger als 12 Monaten fast verzwanzigfacht. Das sind beinahe 1900 Prozent Steigerung – Champagner war fällig!In der Folge rutschte der Bitcoin allerdings wieder auf rund 6000 US-Dollar ab. Wer im Dezember 2017 bei knapp 20 000 US-Dollar eingestiegen ist, sitzt aktuell auf einem Verlust von bis zu 70 Prozent. Also doch wieder Selters.

Es gibt wirklich bessere Alternativen für Anleger!weitere Nachrichten

Gold als Anlage – Möglichkeiten für den Kleinanleger

Gold als Anlagemöglichkeit

Gold ist ebenso eine Ware wie jede andere auf diesem Planeten, auch wenn die Anhänger des Edelmetalls das anders sehen. Auch wird es gehandelt wie jede andere Ware. Und bei jeder Handelsware gibt es einen Markt, auf dem der Preis nach marktüblichen Regeln über Angebot und Nachfrage zustande kommt. Und wie bei allen natürlichen Rohstoffen gilt auch für die physische Goldnachfrage, dass das Angebot nicht beliebig ausdehnbar ist.Eine Goldmine zu erschließen, dauert sehr lange. Zieht die Nachfrage also an, können Goldproduzenten nur versuchen, das Angebot durch Recycling von Gold kurzfristig zu erhöhen. Wenn das nicht ausreicht, um die gestiegene Nachfrage zu befriedigen, dann steigt nach den Gesetzen des Marktes der Goldpreis. Der Goldpreis wird je Feinunze ausgewiesen. Eine Feinunze Gold entspricht dem Gewicht von 31,1 Gramm. Damit ist der reine Goldwert gemeint, also ohne irgendwelche Zusätze von Silber oder Ähnlichem.

Der Goldpreis schwankt sehr häufig und heftig

Der Blick in die jüngste Vergangenheit zeigt, dass der Goldpreis heftigen Schwankungen unterworfen war und ist:

In den 1970er-Jahren fürchteten Anleger die damals bedrohliche hohe Inflation in vielen Industrieländern. So stieg der Goldpreis im Januar 1980 bis auf 850 Dollar je Feinunze. Erst als der später legendäre Paul Volcker neuer Chef der US-Notenbank Fed wurde, die Edelmetallbörsen stärker regulierte und versprach, die Geldmenge zu beschränken, verflüchtigten sich diese Ängste … um dann 2008 und in den Folgejahren verstärkt zurückzukehren. Wir erinnern uns, dass in diesen Jahren die weltweite Finanzkrise ihren verhängnisvollen Lauf nahm. Der Goldpreis stieg in der Folge auf mehr als 1800 Dollar je Feinunze. Die Unsicherheit legte sich erst, als der Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi im Sommer 2012 versprach, er werde alles tun, was nötig sei, um den Euro zu retten.

Der Goldpreis kann auch extrem unter Druck geraten, wenn große Mengen auf den Markt geworfen werden. Erst im März verkauften die USA rund 49 Tonnen Gold, seit Jahresbeginn sind es nun schon 82 Tonnen. Davon sind etwa zwei Drittel sogenanntes raffiniertes Gold, also Gold in Form von Barren oder Münzen. Ziel der Aktion war, massiv direkt oder indirekt den Dollar zu stärken. Eine wahrscheinlichere Theorie ist aber die Verhinderung des Goldes als Ersatzwährung. Durch die Verunsicherung der Märkte versuchen die USA, das zu verhindern. Wir haben in diesem Zusammenhang schon über den Aufstieg des Petro-Yuan und die Folgen für die amerikanische Schuldenwirtschaft berichtet.

Aktuell liegt der Goldpreis um die 1300 Dollar, allerdings müssen wir den international in Dollar angegebenen Goldpreis in Euro umrechnen (ungefähr 1100 Euro). Hier besteht die Gefahr, dass es zu Währungsverlusten kommt, die dann den erzielten Verkaufsgewinn schmälern. Andererseits ist auch ein Währungsgewinn möglich. Dazu kommt, dass wir mit Gold keine Zinsen und Dividenden erwirtschaften können, die einen Ausgleich für Preisstürze bieten würden.

Niemand aber kann am Goldmarkt den beteiligten Staaten und Großinvestoren in die Karten schauen. Das ist aussichtslos – und daher warnen wir auch vor Goldspekulationen.

Goldinvestitionen auf anderem Weg

Natürlich können wir jeden Kleinanleger, der Gold als Absicherung in Betracht zieht, verstehen. Doch egal ob Goldmünzen (Krügerrand, Wiener Philharmoniker etc.), Barren oder Goldschmuck, die Anleger müssen für eine sichere Unterbringung (Safe, Alarmanlagen etc.) sorgen. Die Versicherung verlangt das und wird auch den entsprechend höheren Tarif für das Goldrisiko kalkulieren.

Wesentlich günstiger erscheint da der Kauf eines Fonds, entweder eines mit Gold besicherten ETFs (Exchange Traded Fonds) oder eines Gold-ETCs (Exchange Traded Commodities), wobei aber vor dem Kauf darauf geachtet werden muss, dass es sich auch tatsächlich um eine physische Goldabsicherung handelt und nicht nur der Goldpreis nachgebildet wird. Bei physisch besicherten Gold-ETFs kauft der Emittent des ETFs mit dem Geld der Anleger Gold in Form von Barren und Münzen und lagert diese selbst in seinem Tresor ein. Im Gegenzug erhalten die Investoren ihren Anteil am hinterlegten Gold als Inhaberschuldverschreibung verbrieft. Bei vielen physisch besicherten Gold-ETFs haben die Anleger auch ein Recht darauf, sich das Gold, das ihrem Anteil am ETF entspricht, gebührenpflichtig nach Hause liefern zu lassen.

Auch Goldminenaktien sind im Angebot, die aber ebenso stark schwanken wie der Goldpreis und dem Angebot des physischen Goldes folgen. Sind die Goldpreise niedrig, lohnt sich der enorme Aufwand für die Erschließung und Förderung nicht.

Noch ein Wort zu den Steuern: Alle Gold-ETFs sind Wertpapiere, und die Gewinne unterliegen der Abgeltungssteuer. Beim Verkauf von physischem Gold sind Anleger von dieser Steuer nach einer Haltedauer von mindestens einem Jahr jedoch befreit

Das Element Nr. 79 – Gold als Anlage

Das Element Nr. 79 – Gold als Anlage

Bei einer Straßenumfrage würden wohl nur die wenigsten auf die Frage, was sich hinter der Nummer 79 im Periodensystem der Elemente verbirgt, sofort eine Antwort wissen. Dabei haben die meisten das Element schon gesehen oder besitzen es in irgendeiner Form. Bei Schmuck, Uhren, Zahnkronen, ja selbst in der Hightech-Industrie und Medizin ist dieses Element nicht mehr wegzudenken. Die Rede ist vom uralten Element Gold, Lateinisch Aurum, chemisches Zeichen Au.Ein altes Sprichwort sagt, dass Gold auch noch im Dreck glänzt. Es rostet nicht wie Eisen, es überzieht sich nicht mit Grünspan wie Kupfer, und es dunkelt nicht nach wie Silber. Gegenstände aus Gold, die viele Jahrhunderte in der Erde des alten Ägyptens, Thrakiens (Byzanz), Skythiens (Indien), des Azteken- und Inkareiches gelegen haben oder aus den Tiefen der Ozeane und Meere geborgen werden, sehen aus, als hätten sie die Werkstatt des Juweliers gerade erst verlassen. Gold ist ein wahres Edelmetall, Industriemetall und Wertaufbewahrungsmittel.

Warum steigt der Verbrauch des gelben Metalls?

In wenigen Monaten geht sie wieder los, die jährliche Goldsaison in Indien. In keinem anderen Land der Erde kaufen die Menschen so viel Schmuck aus Gold wie in Indien. Jedes Jahr beflügelt diese alte Tradition die Spekulationen am Goldmarkt, den das Milliardenvolk aus dem südasiatischen Land stets bewegt. In den Monaten September bis November wird auf dem Subkontinent nämlich geheiratet. Dann ist die Zeit der üppigen Goldgeschenke an die Brautleute. Speziell die ständig wachsende wohlhabende Mittelschicht ist in der Lage, den Markt mit dem Edelmetall nach Norden zu treiben.

Ob Königskronen, Grammys, Oscars, Medaillen oder Pokale, all diese Statussymbole werden aus Gold gefertigt oder zumindest mit einem Goldüberzug versehen – dem Metall der höchsten Wertschätzung für den neuen Besitzer.

In der Industrie ist Gold noch wertvoller. So finden wir es zum Beispiel in der Fertigung elektronischer Bauteile. Viele elektronische Geräte nutzen sehr niedrige Spannungen und Ströme, die leicht durch Korrosion unterbrochen werden können und störungsanfällig sind. Gold jedoch ist ein hocheffizienter Leiter, der diese kleinen Ströme unbeeinträchtigt durchleitet und korrosionsfrei bleibt. Elektronische Bauteile mit Gold gelten als sehr zuverlässig. Gold wird in Steckverbindern, Schaltern und Schaltkontakten, Lötstellen oder Verbindungsdrähten verwendet. Auch in Computern sind wahre Schätze enthalten. Neben den wertvollen Seltenen Erden sind in PCs, aber auch in Handys, iPhones, Tablets etc. sehr viele Goldkontakte verbaut. Das macht sie zu begehrten Recyclingobjekten.

Und auch unser Astronaut „Astro Alex“, Alexander Gerst, wird in seiner ISS einiges aus Gold vorfinden. Denn im Weltall sind die Möglichkeiten einer Wartung oder Reparatur stark begrenzt bzw. unmöglich, sodass NASA & Co. hier ausschließlich auf zuverlässigste und sicherste Materialien, unter anderem Gold, setzen. Das Visier am Helm eines Astronauten-Raumanzuges wird zum Beispiel mit einem dünnen Goldfilm beschichtet. Sinn und Zweck der Beschichtung ist, dass Augen und Haut vor der sehr intensiven Sonneneinstrahlung im Weltraum geschützt werden.

Schon seit 700 v. Chr. haben Zahnärzte (oder wie die Zahnmediziner damals auch immer hießen) mit Gold gearbeitet. Goldlegierungen werden für Füllungen, Kronen, Brücken und kieferorthopädische Apparaturen in der Zahnmedizin verwendet, da sie nicht allergen und leicht zu verarbeiten sind. Allerdings lassen die gestiegenen Preise des Edelmetalls die Zahnärzte immer mehr zu Ersatzmaterialien greifen, was natürlich der Patient sehr begrüßt. Aber auch andere Anwendungen von Gold in der Medizin sind bekannt und hilfreich für die Patienten. Injektionen von schwachen Lösungen von Natriumaurothiomalat oder Aurothioglucose werden beispielsweise verwendet, um rheumatoide Arthritis zu behandeln.

Und schauen Sie auch auf die Deklaration mancher Lebensmittel: Hier finden wir unter der Bezeichnung E 175 Gold als Lebensmittelzusatzstoff.

Die Absicherungsfunktion des Goldes

Gold ist in seiner Verfügbarkeit begrenzt, leicht teilbar und hat einen hohen Wert. Darum wird es seit ca. 6000 Jahren neben Silber von den Menschen als Zwischentauschmittel (Geld) genutzt. Erst seit wenigen Jahrzehnten verwenden die Staaten mit bunten Bildern und Zahlen bedrucktes, aber eigentlich wertloses Papier anstelle von Edelmetallmünzen.

Die Deutsche Bundesbank hat erst kürzlich die Rückführung der Goldreserven aus dem berühmten Fort Knox in den USA und aus anderen internationalen Aufbewahrungsorten nach Deutschland abgeschlossen. Das geschah nicht aus mangelndem Vertrauen nach dem Motto „man kann ja mal nachzählen“, sondern weil Gold angesichts der weltweit drohenden Finanzkrisen sehr schnell verfügbar sein muss.

Das ergibt sich aus der Absicherungsfunktion des Goldes für Staaten, aber auch für Kleinanleger, die sich mit Gold auf der sicheren Seite bei Kriegen, Krisen, Naturkatastrophen etc. wähnen.

Die ökonomischen Seiten des Elements 79 werden wir in einem weiteren Beitrag beleuchten.

Die deutsche Bankenlandschaft im Wandel

Die deutsche Bankenlandschaft im Wandel – Eine Betrachtung

Die Blauen, die Gelben und die Grünen, dazu noch die Roten und ein paar kleinere, und alles war in Ordnung in der Vergangenheit. Nein, das sind nicht die Farben des Parteienspektrums in Deutschland. Wir sprechen hier über die vor Jahren festgefügte Bankenlandschaft in Deutschland und ihren Wandel. Anlass dazu gibt der Abstieg der Commerzbank aus dem DAX und der der Deutschen Bank aus dem EuroStoxx 50  – beide Ereignisse für Branchenkenner keine Überraschung.

Ein kleiner (nicht repräsentativer) Praxistest

Ein Bekannter lebt in einer kleinen (Noch-)Kreisstadt mit circa 21 000 Einwohnern. Vor ein paar Tagen stattete er seiner Hausbank mal wieder einen persönlichen Besuch ab. Gähnende Leere empfing ihn. Die drei Schalterangestellten waren die einzigen, die mit ihm im Raum standen. Sein Anliegen war schnell behoben – das falsche Formular wurde ausgetauscht, und er verließ die Bank. Da er vergessen hatte, noch Bargeld zu ziehen, ging er ein paar Schritte weiter zur nächsten Bank aus dem Verbund, keine 150 Meter entfernt, auch hier sah es nicht anders aus. Eine ältere Nachbarin hatte ihn außerdem gebeten, einen Beleg für sie in der Sparkasse abzugeben. Und auch dort das gleiche Bild, mehr Angestellte als Kunden.

Wir denken, in den drei anderen ortsansässigen Banken wird es nicht anders sein. Wie gesagt, das Erlebnis ist nicht repräsentativ, aber es zeigt sehr deutlich, in welchem Ausmaß Deutschland „overbanked“ ist.

Unsere Kreditinstitute haben den Trend der Zeit verschlafen

Als die ersten Direktbanken an den Start gingen, waren die Kreditinstitute nicht noch nicht bereit, große Summen in den Aufbau eines Direktbankensystems zu investieren. Dabei begann die Geschichte der Direktbanken schon im Oktober 1965 mit der Bank für Spareinlagen und Vermögensbildung in Frankfurt, die später in Allgemeine Deutsche Direktbank AG umfirmierte und das Vorläuferinstitut der bekannten Direktbank ING-DiBa ist. Allerdings gab es damals noch kein Onlinebanking, korrespondiert wurde per Brief. Eine ganze Generation später, im April 1999, ging mit der Netbank die erste reine Internet-Bank Deutschlands und Europas an den Start. Um eine Kontoeröffnung schnell und unabhängig durchführen zu können, wurde im Oktober 1996 das Postident-Verfahren eingeführt, sodass der neue Kunde nicht mehr persönlich in der Bank erscheinen musste. Damit war auch die letzte persönliche Kontakterfordernis entfallen. Einige Direktbanken vereinfachen die Kontoeröffnung inzwischen sogar durch das Videoident-Verfahren, der Identitätsprüfung online.

Statt jedoch die Chancen und die betriebswirtschaftlichen Vorteile des Direktbanking zu nutzen, halten die meisten Kreditinstitute noch eine personal- und kostenintensive Filialnetzstruktur vor. Aber okay, die Filialen sind ausgedünnt worden. Die Kunden, auch die älteren, gehören immer mehr zur Generation Internet. Und alle Filialen müssen ja auch nicht geschlossen werden.

Seit dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2008 war es mit dem profitablen Zinsgeschäft der Banken vorbei, die Nullzinspolitik der EZB bescherte ihnen einen Einbruch im klassischen Geschäft (Geld der Sparer für niedrige Sparzinsen annehmen und zu teuren Kreditzinsen verleihen). Eine kurze Phase hätten sie sicher problemlos weggesteckt, aber 10 Jahre sind mindestens 9 Jahre zu viel. Also drehten sie mehr und mehr an der Gebührenschraube. Aber hier durften sie auch nicht überdrehen, denn in der Zukunft möchten die Banken ja wieder etwas mit ihren verbliebenen Kunden verdienen, wenn die dann wieder Geld anlegen wollten.

Einen weiteren Konkurrenten bekommen die Geldhäuser aktuell in Form von Start-ups aus der FinTech-Szene. Diese innovativen FinTechs bieten Kredite zu niedrigeren Zinsen als die großen Institute und schnellere Bearbeitungszeiten aufgrund des Einsatzes neuer Technologien im Bankenwesen. Die Anlageberatung wird durch sogenannte Robo-Advisors getätigt und die Anlage auf Wunsch des Kunden auch durchgeführt.

Und die Zugänge zu den Börsen sind für Anleger heutzutage so online geschaltet, dass sie beinahe in Echtzeit handeln können, ohne zusätzliche Kosten der Banken fürchten zu müssen.

Wo liegt der Ausweg für die „alten“ Banken?

Den Ausweg wird es nicht geben. Jede Bank wird individuell prüfen, was sie sich kostenmäßig noch leisten kann. Personalabbau wird weiterhin die große Linie sein. Die Zeiten, in denen Bankangestellter ein sicherer Lebensjob war, sind längst vorbei. Bankfilialen werden sicherlich nicht mehr lange in dieser geballten Form existieren. Fusionen, bankübergreifende Kooperationen und neue Denkweisen sind auch bei den Kreditinstituten immer wieder neu angesagt. Die Betreuung der Kunden vor Ort wird sich vielleicht nur noch über Videochat rechnen. Das Marketing wird neue Wege gehen, um die Bankkunden noch für den Kauf von Bankprodukten zu gewinnen.

Und was wird aus den großen Banken?

Deutschland braucht als führende Exportnation eine weltweit agierende Universalbank, die internationale Fusionen und Übernahmen (M & A) und das Investmentbanking erfolgreich stemmen kann. Dieses Geschäftsfeld wird jetzt mehr und mehr von den US-Banken übernommen.Die Deutsche Bank und Commerzbank werden in der aktuellen Lage fast in der Bedeutungslosigkeit versinken. Ein Weg aus der Misere wäre eventuell ein Zusammengehen mit einem starken kapitalkräftigen Partner an der Seite. Der muss nicht unbedingt aus Europa kommen. Vielleicht sollte sich aber auch die deutsche Bankenwelt mit der Wirtschaft zusammensetzen und eine neue kapitalkräftige deutsche Universalbank aus den wertvollen Resten des alten Bankenbestandes gründen, die den Anforderungen der heutigen Zeit entspricht. Nur so eine Idee …weitere Nachrichten