Des einen Freud, des anderen Leid…

Des einen Freud, des anderen Leid…

Wer kennt sie nicht, Amazon, Otto, Zalando und viele andere kleinere und größere Plattformen, auf denen die internetaffinen Kunden jeden Tag 24 Stunden einkaufen, können. Ein Klick und dann hat es sich für die Kunden erledigt. Das andererseits die Innenstädte immer mehr durch den Leerstand veröden, weil immer mehr Einzelhandelsgeschäfte und auch Handelsketten keine ausreichenden Umsätze mehr generieren, ist den Veränderungen der Zeit geschuldet.

Der große Gewinner – der Versand

Aber irgendwie muss die georderte Ware zu den Kunden kommen. Solange Amazons und andere Lieferdrohnen noch nicht im flächendeckenden Einsatz sind, wird wohl die DHL überwiegend die Pakete ausliefern. Gut, es gibt mit Hermes (Otto Group) FedEx, UPS, German Parcel noch einige andere Konkurrenten. Aber der Hauptanteil liegt dennoch beim Gelben Riesen.

Die Deutsche Post AG

Die Deutsche Post AG mit Sitz in Bonn ist ein deutsches Logistik- und Postunternehmen. Das Unternehmen entstand am 01.01.1995 durch die Privatisierung der früheren Behörde Deutsche Bundespost. Es ist seit 2000 Bestandteil des deutschen Leitindexes DAX.

Mit Wirkung vom 23. September 2013 zog die Deutsche Post in den EURO STOXX 50 ein. In den Forbes Global 2000 der weltweit größten Unternehmen gehört der Deutsche Post AG immerhin Platz 205 (Stand: Geschäftsjahr 2017). Das Unternehmen kam Mitte 2018 auf einen Börsenwert von ca. 50 Mrd. US-Dollar.

Bis 2009 war das Unternehmen als Deutsche Post World Net bekannt, bis 2015 dann als Deutsche Post DHL und seitdem als weltweit erfolgreicher Global Player Deutsche Post DHL Group.

Überwiegend ist die Deutsche Post AG in Streubesitz. Großaktionär ist die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit 21,0 Prozent der Aktien. Ein weiterer Großaktionär ist der US-amerikanische Vermögensverwalter Black Rock (6,19 Prozent).

Der Marktführer in der Logistik mit kleinen Problemen

Die Logistikkette von der Produktion bis zur Haustür des Kunden, teilweise mit Rücksendung (manchmal auch mehrmals) ist lang und komplex. Denn jeder Einzelhändler hat sein eigenes, auf Kosteneffizienz und Geschwindigkeit gerichtetes, Versandsystem dazu entwickelt. Dieses riesige Feld ist der Markt der Zukunft für die Deutsche Post.

Zur Logistik muss aber auch (noch) die Briefsparte gezählt werden. Auch wenn die frühere sichere Bank für sicheren Profit nicht mehr die Bedeutung hat, werden immer noch Briefe, Postkarten, Wertsendungen und vor allen Dingen Werbung  mit der Post zum Endkunden versandt. Und hier hat die Post Probleme. Zum einen wegen der Konkurrenten, die sie nebenbei gnadenlos bekämpft, um ihre Monopolstellung nicht weiter zu verlieren. Andererseits fehlt es wie fast überall an bezahlbarem Personal für die Zustellung der Briefe und Pakete. Trotzdem wurde eine Vorruhestandsreglung im Bereich für Mitarbeiter der PEP- Sparte (engl.: Post, E-commerce, Parcel) im II. Quartal durchgezogen. Die kostete den Konzern 400 Mio. Euro, aber so will er die Kosten senken, die sich aus den alten Verträgen ergeben. 100 Mio. Euro wurden in die weitere Digitalisierung einfacher Tätigkeiten investiert.

Aber immerhin, es werden noch 3,2 Mrd. Euro Gewinn erwartet, die aber schon etwas gedämpfter klingen als vor der Gewinnwarnung (4,15 Mrd. Euro). Bei international agierenden Konzernen spielen auch negative Währungseffekte eine große Rolle bei Umsatz und Gewinn. Nicht jede Wechselkursdifferenz gegen den Dollar lässt sich preiswert mit Derivaten absichern.

Wirtschaftliche Aussichten

Zwei Drittel des Umsatzes entfallen auf die weiterhin schrumpfende Briefsparte PEP. Wegen dem rückläufigen Briefgeschäft wurde kürzlich das Porto angehoben und es wird nicht die letzte Anhebung sein. Die Post findet bei der Bundesnetzagentur meistens Verständnis, wenn die Porti für ihre Dienstleistungen erhöht werden sollen. Hat doch der Staat, wie bereits gesagt, auch noch Interesse, sprich Anteile, an den Gewinnen der Post AG.

Die internationale DHL – Sparte auf der anderen Seite wächst jährlich um ca. 11%. Und es ist abzusehen, dass mit zunehmendem Anteil von DHL am gesamten Konzernumsatz die Wachstumsrate steigen wird. Aktuell beträgt das Umsatzwachstum des Konzerns rund 4% pro Jahr.

In der Bilanz schlummern aber aktuell Verbindlichkeiten in Höhe von 12 Mrd. Euro. Die Schulden wurden erst im laufenden Jahr neu bilanziert, da die Dt. Post ihre Bilanzierungsregeln änderte. So wurden z.B. Verpflichtungen aus laufenden Leasingverträgen in Höhe von 9 Mrd. als Schulden in die Bilanz zusätzlich aufgenommen.

Bis zum Jahr 2020 möchte die Dt. Post den Gewinn auf 5 Mrd. Euro steigern. Das entspricht einer jährlichen Steigerung von 8,7 Prozent.

Fazit

Trotz der aktuellen und noch zu erwartenden erwarteten Kursrückschläge bleibt die Deutsche Post AG ein attraktiver Wert und solider Dividendenbringer für die Zukunft. In unserem Fonds finden wir die Position ebenso wie den größten Auftraggeber Amazon.weiteres zur Deutschen Post AG

Strafzölle, Italien, die Deutsche Bank – Ein Update

Strafzölle, Italien, die Deutsche Bank – Ein Update

Alles, was uns in der letzten Zeit beschäftigte, wird uns auch noch im Sommer und vielleicht sogar noch länger beschäftigen. Darum ein Update.

Strafzölle in Kraft

US- Präsident Donald Trump hat die Frist für das Aussetzen der Strafzölle gegen die EU nicht verlängert. Die um einen Monat verlängerte Verhandlungsfrist hätten wir uns eigentlich sparen können. Und wieder einmal zeigt sich, wie wenig flexibel und schwerfällig die EU ist. Obwohl schon lange absehbar war, dass die Strafzölle in Kraft treten werden, gibt es aktuell nur Listen mit Gegenmaßnahmen. Die daraus sich ergebenden Sanktionen werden irgendwann im Juni beschlossen werden und dann auch irgendwann in Kraft gesetzt werden. Theoretisch hätten die Gegensanktionen schon an dem darauffolgenden Tag in Kraft werden müssen. Aber ob wir überhaupt eine überzeugende Mehrheit dafür sehen werden? Hier beschleichen ihren Autor leichte Zweifel. In Polen und im Baltikum stehen US Truppen zum Schutz gegen eine vermeintlich drohende Invasion der Roten Armee, sorry ich meine russischen Armee. Ein Abzug würde die Staaten dort sich nicht mehr sicher fühlen lassen. Auch Ungarn, Italien, die Slowakei und die Tschechische Republik stehen politisch Trump näher. Also warten wir es ab.

Die wichtigste Frage an US- Handelsminister Wilbur Ross in einem kürzlich veröffentlichten Interview war übrigens, ob die gegen die EU, Kanada und Mexiko verhängten Zölle gegen die EU gerichtet seien oder ob sie eine Antwort auf die weltweite Überproduktion in diesem Marktsegment seien. Seine Antwort: Überproduktion.

Und nun wissen wir ja auch woher die Überproduktion kommt, aus China. China selbst hat das Problem, zu viel des minderwertigen, aber staatlich subventionierten, Stahls zu produzieren und überflutet deshalb die Weltmärkte. Der chinesische Stahl wird nicht nur in die USA exportiert, sondern auch nach Mexiko, wo BMW und Mercedes Autos daraus bauen und diese mit billigem, chinesischem Stahl gebauten Autos dann auf dem amerikanischen Kontinent günstig verkaufen. China liefert Stahl auch nach Kanada, Kanada selbst ist der größte Stahl-Lieferant für die USA. Mit dem Weg über Kanada umgehen die Chinesen die US-Importzölle. Und China liefert auch viel Stahl in die EU, wo ebenfalls Autos und andere Maschinen für den internationalen Markt gebaut werden. Seit 2011 wurden Strafzölle in Höhe von 48,3 bis 71,9% auf ausgewählte chinesische Stahlerzeugnisse durch die EU erlassen(!) In diesem Zusammenhang sind dann wohl auch die, von den USA in bereits in Aussicht gestellten, Strafzölle auf deutsche Autos zu sehen. Über die Autozölle hat Handelsminister Wilbur Ross gesagt, die befänden sich in Prüfung, Ende Juni rechne man mit einem Ergebnis.

Das lässt dann eine interessante und im Ausgang völlig offene Auseinandersetzung vor der Welthandelsorganisation WTO erwarten. Es werden dort sehr viele Punkte der Entscheidungen bei allen beteiligten Seiten zur Sprache kommen.

Italien

Hurra, Italien hat wieder eine neue Regierung! Der umstrittene Eurokritiker Savona ist abermals dabei und übernimmt, welch Überraschung, das Europaministerium. Auch wenn die Regierung Conte zuletzt versöhnliche Töne in Richtung der Märkte und der EU aussandte, sollten wir mit Aktien und Anleihekäufen doch zurückhaltend sein. An ihren Taten wollen wir auch die neue Regierung messen. Allerdings bezweifeln wir, dass die Regierung die üblichen hundert Tage ohne Kritik überstehen wird. Dazu sind die dargelegten  Probleme des Landes zu riesig. Eher schätzen wir, wird die Regierung vorzeitig zerbrechen.

Deutsche Bank

Gerade erst ist die Hauptversammlung bei den „Blauen“ zu Ende gegangen, und die paar Cent Dividende wurden ausgezahlt, da rauscht der Kurs auf ein neues Allzeittief.

Der Hauptgrund für die Panik liegt in den USA. Denn die US-Finanzaufsicht FDIC hat die Lage der US-Tochter der Deutschen Bank als „troubled condition“ eingestuft – übersetzt: besorgniserregende Verfassung.

Das Kuriose bei dieser Meldung ist, sie ist bereits ein Jahr alt. Damals hatte die Deutsche Bank noch eine ganze Reihe von Verfahren in den USA am Laufen, die für sie gefährlich hätten werden können. Unter dem geschassten CEO John Cryan wurden sie jedoch nahezu geräuschlos abgewickelt. Das Kreditinstitut bekam einige Milliardenstrafen als Wiedergutmachung aufgebrummt. Der Kurs der Aktie hat sich, wie wir wissen, seither fast halbiert. Doch auch die Abstufung auf BBB+ im Rating, das mit höheren Finanzkosten am Markt verbunden ist, stellt keinen Grund dar, in Panik zu verfallen. Die EZB verleiht bekanntlich Geld zu Nullzinsen.

Anleger, die es ähnlich sehen, sollten nicht mehr verkaufen, sondern auf eine Gegenbewegung setzen. Und vielleicht wird auch Vorstandschef Sewing bald einmal eine belastbare Strategie präsentieren, wie die Bank aus ihrer Krise geholt werden kann.

Die beste Lösung

Die Stimmen in Großbritannien mehren sich, eine neue Abstimmung über den Verbleib in der EU durchzuführen. Eine solche Abstimmung würde dann vor allem die jüngeren Menschen, die von der Freizügigkeit in Europa profitieren, an die Wahlurnen treiben. Sollte dabei der Brexit keine Zustimmung mehr finden, wäre das die beste Lösung – vor allem für die Briten.

Allerdings stellt ein Wiedereintritt in die EU auch später kein Problem dar. Der von der ehemaligen Premierministerin Margaret Thatcher ausgehandelte Britenrabatt dürfte dann jedoch entfallen. Das ist dann der Preis für die nervenaufreibenden zwei Jahre Verhandlungen und deren Folgen.Dies könnte Sie auch interessieren

US-Präsident Trump treibt Ölpreise in die Höhe und die Welt in eine Krisensituation

US-Präsident Trump treibt Ölpreise in die Höhe und die Welt in eine Krisensituation

Internationale Abkommen zwischen zwei Staaten können ohne Probleme geschlossen, aber auch gekündigt werden – das ist Usus in der Welt.

Das Atomabkommen mit dem Iran allerdings wurde nicht zwischen zwei Staaten geschlossen, sondern ist bekanntermaßen ein multilaterales Abkommen zwischen dem Iran auf der einen Seite und den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat – Russland, China, USA, Frankreich und Großbritannien – sowie Deutschland auf der anderen Seite.Der Deal sah vor, die nukleare Aufrüstung des Mullah-Regimes zu verhindern. Dafür wurden die lange Zeit bestehenden internationalen Wirtschaftssanktionen gegen Teheran schrittweise zurückgefahren. Als Kontrolleur fungiert die autonom und wissenschaftlich agierende Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), die keinerlei größere Verstöße trotz gegenteiliger Behauptungen aus Israel und den USA gegen das Abkommen feststellen konnte. Ok, dass der Iran als Schutzmacht des Regimes in Damaskus agiert, ist eine andere Sache. Aber das ist ja nicht Gegenstand des Abkommens. Und die USA sind ja auch die Schutzmacht von Israel und Saudi-Arabien.

Konzentrieren wir uns auf die wirtschaftlichen Folgen.

Der Ölpreis

Der Preis steigt und wird die Weltkonjunktur maßgeblich negativ beeinflussen. Eine besondere Gemengelage trifft die internationale Wirtschaft und letztlich die Verbraucher. Einerseits sind die Lager mit Ölreserven in den importierenden Ländern ziemlich leer. Das bedeutet in der Folge, dass eine verstärkte Nachfrage auf ein begrenztes Angebot trifft. Der Ölpreis, der eh schon gestiegen ist, wird also weiter steigen. Andererseits ist der Nahe Osten ein politisches Pulverfass; jede weitere Eskalation zwischen den Staaten wird zu einem höheren Preis des Weltschmierstoffs führen. Das wird auch die konjunkturellen Aussichten in der ganzen Welt beeinflussen.

Rohstoffexperten zufolge hatte sich der Markt zwar schon auf den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen eingestellt. Dennoch ist die entstandene neue Lage mit vielen Unwägbarkeiten behaftet. Besonders fraglich dabei ist, wie sich Irans Ölexport entwickelt. Eine weitere Verunsicherung im Nahen Osten wird befürchtet, einer Region, in der ein Drittel des Erdölweltbedarfs produziert wird.

Produktion und Nachfrage befinden sich aktuell noch ungefähr im Gleichgewicht, aber in der Folge könnte eine ernste Minderversorgung entstehen. Dies könne im Worst-Case-Szenario zu Preissteigerungen von mindestens 10 Dollar pro Barrel und damit zu Preisen für die Sorte Brent von nahezu 90 Dollar oder darüber führen, ist sich die Mehrheit der Analysten sicher – und das trotz der Ankündigung Saudi-Arabiens, den Ölpreis zu stützen.

Dazu kommen die Spekulationen der milliardenschweren Hedgefonds, die sich schon in der Vergangenheit preiserhöhend ausgewirkt haben.
Die USA werden sich zum weltweit größten Erdölproduzenten in den nächsten Jahren entwickeln. Da hilft natürlich ein hoher Preis für den Rohstoff, um die Investitionskosten für die Ausweitung der Produktion wieder hereinzuspielen.

Welche Auswirkung hat der Ausstieg noch?

Kurzfristig wahrscheinlich vorerst keine, da die anderen Staaten am Abkommen festhalten wollen.
Allerdings hat der neue US-Botschafter in Berlin die Marschroute bereits vorgegeben. So forderte Richard Grenell die deutschen Unternehmen auf, unverzüglich ihre Geschäfte mit dem Iran herunterzufahren.

„Die Unternehmen treibt die Sorge um, durch ihren Handel mit Iran das US-Geschäft zu verlieren“, teilte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in einer ersten Stellungnahme mit. „Schließlich drohen jetzt auch europäischen Unternehmen der Realwirtschaft Strafen in den USA, sollte sich zum Beispiel der iranische Geschäftspartner auf US-Sanktionslisten wiederfinden.“

Auch europäische Banken, die mit der Abwicklung finanzieller Transaktionen im Zusammenhang mit dem iranischen Ex- und Import betraut sind, könnten in der Folge ihren Zugang zum äußerst wichtigen US-Finanzmarkt verlieren.

Auch weiß im Augenblick keiner, wie die beiden Mitunterzeichner des Deals, Russland und China, reagieren werden, wenn sie plötzlich mit weiteren Sanktionen wegen ihrer Irangeschäfte seitens der USA belegt werden. Hier ist China aufgrund seiner Finanzmacht natürlich aber in einer komfortablen Position gegenüber den USA.

Wie sollten Kleinanleger jetzt reagieren?

Die Ruhe bewahren – das ist erste Anlegerpflicht. Kurzfristig werden die Kurse nicht ins Bodenlose fallen. Im Augenblick weiß niemand, welche Folgen ein Fortbestehen des Abkommens ohne die USA hat. Und die USA werden sich sehr genau überlegen, welche Wechselwirkungen und Folgen sich aus den Sanktionen und Gegensanktionen für die einheimische Wirtschaft ergeben werden. Einen Mehrfrontenkrieg im Handelsstreit will das Weiße Haus höchstwahrscheinlich auch nicht riskieren. Schließlich läuft Ende Mai die Frist für die Aussetzung der Strafzölle gegen die EU aus.
Wer Öl-Wertpapiere im Depot hat, kann sich über die Gewinne freuen. Wie lange die Rallye im Öl-Sektor weiterlaufen wird, ist angesichts der internationalen Lage ungewiss. Der Aktienfonds NDACinvest hat OMV und Statoil im Portfolio. Deshalb raten wir in diesen unruhigen Zeiten zu einer Fondslösung mit breiter internationaler Streuung.Dies könnte Sie auch interessieren

Die Winde am Markt werden rauer, aber noch ist es kein Orkan

Die Winde am Markt werden rauer, aber noch ist es kein Orkan

Am 24. Oktober 2018 jährte sich der Crash des US-amerikanischen Aktienmarktes mittlerweile zum 89. Mal. Es war der 24. Oktober 1929. An diesem Tag brach der US-amerikanische Aktienmarkt zusammen. Das wird als Start der damaligen Weltwirtschaftskrise angesehen. Auch der deutsche Aktienmarkt ging in der Folge in die Knie. Damals kam es auch in Deutschland zu einer Bankenkrise. Auslöser waren zu spekulative Wertpapier- und Warengeschäfte und zu niedrige Eigenkapitalquoten. Alles erst vor kurzem gehört? Stimmt, es könnte auch heute sein. Seit dem Crash des Jahres 2008 hat sich nichts Grundlegendes an den Märkten geändert.

Wann sprechen wir von einem Crash?

Diese Antwort wurde kürzlich neu definiert. Bislang war die Standard-Definition für den Beginn eines Bärenmarkts ein Verlust von 20 Prozent. Neue Analysen lassen Wirtschafts- und Finanzwissenschaftler zu der Überzeugung kommen, dass bereits 16 Prozent für einen Crash ausreichen können.

Egal, welcher Zahl wir folgen, eine Crashsituation vernichtet immer massenhaft Kapital.

Einige Gründe für den Rückwärtsgang der Märkte und Indices

Es ist nicht nur ein Grund, der im goldenen Oktober die Herbststürme auch über die Aktienmärkte fegen lässt. Die Gründe für die Rücksetzer am Markt sind vielfältig.

Da wären die sich zuspitzenden Auseinandersetzungen zwischen Italien und der EU um den neuen Haushalt der italienischen Regierung sowie das Gebaren der EU als zahnloser Tiger.

Angesichts einer Staatsverschuldung von zurzeit etwa 134 Prozent der Wirtschaftsleistung kann man in Italien nicht mehr von Finanzstabilität sprechen. Eine Besserung der Schuldensituation im italienischen Stiefel ist nicht in Sichtweite. Zwar liegt das geplante Haushaltsdefizit der neuen Regierung für 2019 mit 2,4 Prozent unter der im Maastricht-Stabilitätsvertrag vereinbarten Obergrenze von drei Prozent. Doch versprach die Vorgängerregierung Italien bekannter weise tugendhafte 0,8 Prozent, um eine allmähliche Schuldenkonsolidierung einzuleiten. Doch das ist jetzt alles wie aufgewärmte Pasta von gestern.

Wir werden 2020 feststellen, dass das Defizit für 2019 weit oberhalb von drei Prozent lag, frei nach dem Motto, wer hätte das gedacht.  Die Rating-Agenturen trauen dem italienischen Haushaltsmenu nicht sehr viel zu. Bei Fortsetzung des Schulden-Dolce Vita werden sie die römischen Staatsanleihen eher früher als später auf die letzte Stufe vor Ramschniveau zurückstufen. Und dann ist es aus mit Bella Italia.

Nur was kann die EU tun? Den Haushalt zurückgewiesen haben sie schon, der Schriftverkehr dazu kostet nur einige Bäume das Leben, mehr nicht. Ein Strafverfahren wegen des Defizits? Auch das ist nicht dazu angetan, der populistischen Regierung in Rom die Grenzen aufzuzeigen. Aber weitere Instrumente hat die EU nicht…

Die EU setzt wahrscheinlich in der Folge auf das Prinzip Hoffnung, Hoffnung auf die Strafe durch die Märkte. Denn Staatsanleihen mit Ramschstatus wird keiner erwerben, auch nicht die derzeit noch unter italienischer Präsidentschaft stehende EZB.

Das nächste Problem stellt die Situation im Reich der Mitte dar.

Schon seit Monaten gibt es zwischen den beiden Großmächten China und USA massive Handelsstreitigkeiten. Diese zeigen nun offensichtlich doch negative Wirkung. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge zeigt die wachstumsverwöhnte Konjunktur in China langsam aber sicher Schwäche. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) habe von Juli bis September dieses Jahres nur noch um 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zulegen können. Für die Industrieländer noch ein Traumrate, aber für die chinesische Wirtschaft auf Grund der immensen Humanressourcen ein Alptraum. Hinzu kommt ein Schuldenberg von gigantischen 5,8 Billionen Dollar. Und wenn China als Lokomotive für die Schwellenländer ausfällt, dann dürfte es im Zusammenhang mit dem hohen Dollar –Verschuldung und steigender Zinsen dort auch zu extremen Schwierigkeiten kommen. Mit Steuersenkungen, wie aktuell beschlossen, wird die chinesische Regierung es nicht in den Griff bekommen. Die meisten Chinesen (Bauern Wanderarbeiter etc.) zahlen dort auf Grund ihrer geringen Einkommen keine Steuern.

Der Brexit, der sich als harter (ungeregelter) Brexit momentan zeigt, verunsichert die Märkte weiter. Das große Problem ist, dass ein eventueller Austrittsvertrag, den die schwache Premierministerin T. May unterschreibt, durch die Parlamente aller Mitgliedsstaaten sowie das britische Unterhaus ratifiziert werden muss. Auch eine ins Spiel gebrachte Verhandlungsverlängerung ist noch nicht das non- plus-ultra.

Deutschland hat seinen Dieselskandal und die dadurch folgenden Fahrverbote in immer mehr Städten sowie die Rettungsversuche der Vorteile der Autoindustrie durch die Politik einer stark geschwächten Kanzlerin. Ihr droht jeden Tag das Damoklesschwert des Platzens der Koalition und nicht vorhersehbare Neuwahlen.

Apropos Wahlen, solange die Mid- Term Wahlen in den USA nicht über die Bühne gegangen sind, wird sich der Handelsstreit zwischen den USA und China nicht wirklich entspannen und danach auch nicht gleich.

Dazu kommen die kleineren Probleme mit Wirtschaftskrisen in der Türkei und anderer Staaten. Die US Notenbank schraubt trotz des Trump`schen Donnerwetters die Zinsen immer weiter in die Höhe, während die EZB weiter auf Nullzinspolitik setzt und damit fälschlicherweise weiter die Kapitalströme gen USA lenkt.  Die Schwellenländer werden aber mit den Zinsschritten immer weiter in den Abwärtssog einer Schuldenspirale getrieben.

Fazit

Das in dieser Gemengelage die Kurse fallen, ist kein Wunder. Kleinanleger sollten vorerst warten, bis sich die Lage wieder beruhigt und nicht in eine Bullenfalle tappen. Manchmal ist die „Gewehr bei Fuß Taktik“ in solchen Situationen auch für Fonds das Beste.  Wir wissen, dass Kursrücksetzer immer die Vorboten für kommende Kursgewinne sind. Denn in den vergangenen 100 Jahren gab es keinen Kursrücksetzer, der nicht ein neues Allzeithoch nach sich zog. Und dann sind wir wieder mit dabei.Dies könnte Sie auch interessieren

Der Brexit und noch kein gutes Ende in Sicht

Der Brexit und noch kein gutes Ende in Sicht

Da saßen sie wieder zusammen, die 28 Staats- und Regierungschefs der EU, oder besser gesagt 27 plus 1, und dabei scheint die Formel 27 : 1 noch treffender das Verhältnis der bald ehemaligen Partner EU und Großbritannien auszudrücken. Seit dem Austrittsvotum der Inselbewohner am 23.6.2016 wird nun verhandelt über das Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der EU zum 30.3.2019.

Warum ist die Verhandlung so kompliziert?

Nachdem lange Zeit nichts von der britischen Regierung in Sachen Verhandlung unternommen wurde, wird der Zeitrahmen am Ende nun vielleicht nicht ausreichen. Die Ergebnisse der Verhandlungen müssen noch in den 28 betroffenen Staaten durch die Parlamente bestätigt werden. Also war es schon sehr knapp beim Salzburger EU-Gipfel im September. Jetzt wird ein weiterer Sondergipfel zum Brexit im Oktober die vorerst letzte Möglichkeit bieten, einen geordneten Ausstieg der Briten hinzubekommen. Gemäß Artikel 50 des Vertrags von Lissabon muss der EU-Austritt nach Ablauf der zweijährigen Frist nach schriftlicher Erklärung des Austritts am 29.3.2019 vollzogen sein. Diese Frist kann zwar verlängert werden, allerdings nur, wenn alle EU-Mitglieder einstimmig sowie die Briten dafür votieren. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist jedoch nicht sehr hoch.

Da die politische Position der britischen Premierministerin in London sehr schwach ist, könnte ein Sturz von Theresa May weitere Unsicherheit bringen. Und dass die ausgewiesenen Brexit-Gegner in Gestalt von Boris Johnson jetzt schon die Regierung übernehmen werden, bezweifeln nicht nur wir vom NDAC. Dazu eignet sich Theresa May als Opferlamm zu gut, wenn das Worst-Case-Szenario eintritt.

Hauptstreitpunkt ist der Zugang der englischen Wirtschaft zum europäischen Binnenmarkt. Den möchten sich die Insulaner nämlich gern erhalten, allerdings ohne die damit verbundene Arbeitnehmerfreizügigkeit für die EU-Bürger auf britischem Boden zu gewährleisten. Die EU kam der britischen Seite entgegen. Im März 2018 haben sich beide Verhandlungspartner darauf geeinigt, dass es nach dem Austritt ein Übergangsabkommen geben soll, das den Zugang des Vereinigten Königreichs zum Binnenmarkt und zur Zollunion bis zum 31.12.2020 garantiert und damit die Wirkungen des Brexit auf die Bürger und Wirtschaft abfedert. Die EU hat aber sehr deutlich gemacht, dass derartige Übergangsregeln nur dann verbindlich werden, wenn sie im Rahmen eines umfassenden Austrittsabkommens vereinbart werden. Ohne Austrittsabkommen gäbe es demnach auch keine Übergangsregeln, und die bislang geltenden Regelungen des Binnenmarktes und der Zollunion würden ab dem 30.3.2019, 0:00 Uhr, keine Anwendung mehr finden.

Auch in der Nordirlandfrage vertritt man unterschiedliche Positionen. Hier gibt es eine offene Grenze zwischen der zur EU gehörenden Republik Irland und dem zu Großbritannien zählenden Nordirland. Welche Lösung wird es hier geben? Schließlich müssten letztlich die Grenze geschlossen, Zollkontrollen eingeführt und Zölle kassiert werden. Bisher gibt es dazu keine Übereinkunft.

Beim Austrittsreferendum haben neben Schottland auch die Nordiren gegen einen Austritt gestimmt. Die politische Brisanz liegt hier in den immer stärker werdenden Unabhängigkeitsbestrebungen der schottischen Nationalisten und in dem wieder auflebenden Vereinigungsgedanken der Nordiren mit der Republik Irland. Letzteres würde eine Lösung mit der offenen Grenze bringen.

Und die Wirtschaft?

Die Wirtschaft hat schon immer auf beiden Seiten vor den Folgen des Brexit gewarnt. Selbst wenn es ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien geben sollte, müsste es erst einmal ausgehandelt und ggf. von allen 28 Vertragsstaaten ratifiziert werden.

Der Ball liegt dabei nicht bei der EU, sondern bei der britischen Regierung, die jetzt schon die wegbrechenden Steuereinnahmen durch die bereits abziehende Finanzindustrie als Hauptsteuerzahler verkraften sowie die Verlagerung vieler Arbeitsplätze auf das europäische Festland befürchten muss. Zudem lassen die Absetzbewegungen ausländischer Fachkräfte wegen der Schwäche des britischen Pfundes ein Chaos erahnen, wobei die Frage nach der weiteren Gültigkeit britischer Führerscheine in der EU und umgekehrt das kleinste Problem ist.

Die Schwäche des Pfundes aufgrund der Unsicherheit hat längst zu einer Teuerungswelle für die Verbraucher geführt. Wenn das Abkommen doch noch irgendwann ausgehandelt vorliegen sollte, werden wir an den Reaktionen der Märkte sehen, was es wirklich wert ist. Auch ein harter Brexit, also ohne Austrittsabkommen, wird die Briten schwerer treffen als die EU.

Die beste Lösung

Die Stimmen in Großbritannien mehren sich, eine neue Abstimmung über den Verbleib in der EU durchzuführen. Eine solche Abstimmung würde dann vor allem die jüngeren Menschen, die von der Freizügigkeit in Europa profitieren, an die Wahlurnen treiben. Sollte dabei der Brexit keine Zustimmung mehr finden, wäre das die beste Lösung – vor allem für die Briten.

Allerdings stellt ein Wiedereintritt in die EU auch später kein Problem dar. Der von der ehemaligen Premierministerin Margaret Thatcher ausgehandelte Britenrabatt dürfte dann jedoch entfallen. Das ist dann der Preis für die nervenaufreibenden zwei Jahre Verhandlungen und deren Folgen.Dies könnte Sie auch interessieren

Kommt der nächste Crash an den Börsen?

Kommt der nächste Crash an den Börsen?

Vorweg gesagt: Wir sind keine Propheten. Wir können also nicht voraussagen, wie sich die Börse entwickeln wird. Aber wir beobachten die Märkte und ziehen daraus unsere Schlussfolgerungen:
Während sich in Deutschland die Börsen von ihren Höchstständen wohl verabschiedet haben, feiern die US-Börsen weiterhin neue Rekorde. Fast schon Vollbeschäftigung herrscht in den USA, die Leitzinsen steigen in rascher Folge. Die Situation gleicht beinahe ein wenig der auf der Titanic.Denn die Alarmzeichen für eine neue Finanzkrise sind nicht zu übersehen. Das malen nicht nur Schwarzseher und Crashpropheten an die Wand. Nein, die neue Einschätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel lässt wirklich keine Zweifel mehr am abrupten Drehen der Märkte aufkommen. Schließlich handelt es sich bei dieser im Jahr 1930 gegründeten Bank nicht um irgendeine Bank, die wieder einmal in die Schlagzeilen kommen will, sondern um ein diskret arbeitendes internationales Institut, das mit der Koordination und Bewältigung von Problemen der Geld- und Währungspolitik eine wichtige Funktion erfüllt.

Die Warnung der BIZ

Die drei Gründe, die die BIZ anführt, sind wirklich nicht von der Hand zu weisen und sollten auch bei Kleinanlegern die Alarmglocken läuten lassen. Überbewertete Märkte in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften, zu lockere Finanzierungsbedingungen und extrem hohe Schuldenstände in der Weltwirtschaft machen die Experten der BIZ verantwortlich für den nächsten Supercrash an den Finanzmärkten. Schauen wir uns dazu die Fakten an:

Weltweites Schuldenwachstum bei den Industrienationen

Global betrachtet sind die Schuldenstände höher als vor der letzten Finanzkrise 2008. Das belegen auch die Daten des McKinsey Global Institutes. So ist die Kreditaufnahme um 72 Billionen Dollar höher als noch vor 10 Jahren. Selbst unter Berücksichtigung der steigenden Wirtschaftsleistung der letzten Jahre ist eine größere Verschuldung zu verzeichnen.

Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, ermahnte deshalb die USA als den größten Schuldenmacher der westlichen Welt, dass sie bei allem Respekt ihr Defizit reduzieren und es nicht weiter ausweiten sollten. Aber die USA stehen nicht allein am Schuldenpranger. Weil viele Länder Krisen mit Konjunkturpakten bekämpfen, wachsen die Schulden. Dazu kommt die fragwürdige Rettung maroder Banken mit Steuergeldern. Das führte in den letzten 10 Jahren von einer Krise der Privatwirtschaft zu einer öffentlichen Schuldenkrise wie beispielsweise in Griechenland, Spanien, Irland oder aktuell erst wieder in Italien.

Aber auch in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sieht es nicht besser aus. In China sind die Staatsverbindlichkeiten innerhalb der letzten 10 Jahre um das Fünffache auf 30 Billionen Dollar gestiegen.

Die Zeiten des billigen Geldes nutzen auch viele Unternehmen zum Aufbau eines Berges von Verbindlichkeiten, indem sie Kredite für Anleihen aufnehmen. Der IWF geht davon aus, dass ein Großteil dieser Summe in riskante Unternehmungen fließt und die Stabilität des Finanzsystems gefährdet. Die aktuellen Auswirkungen sehen wir in der Türkei mit dem Verfall der Lira. Aber die Gefahr, dass die dortige Krise zum Auslöser einer weltweiten Finanzkrise wird, schätzen nicht nur wir vom NDAC nach wie vor als gering ein.

Überbewertete Märkte

Ein Blick an die Wall Street zeigt, dass sich die großen Börsenbarometer seit Monaten nach oben bewegen – und das trotz der ökonomischen Perspektiven mit einer laufenden Zinswende im Dollarraum, der Währungsschwierigkeiten einiger Schwellenländer und der wachsenden protektionistischen Hürden im Welthandel, ausgelöst und verschärft durch den amerikanischen Präsidenten.

Auch wenn die EU und der deutsche Markt noch nicht so stark davon betroffen sind, sind die Auswirkungen durch die Unsicherheit über die Zukunft der Konjunktur jedoch bereits zu spüren. Während Forscher des ifo Instituts in der Vergangenheit noch mit Zuwächsen von 2,6 Prozent für das kommende Jahr gerechnet hatten, schraubten sie im Frühjahrsgutachten die Konjunkturerwartungen wieder auf 1,8 Prozent herunter. Im neuen Herbstgutachten werden sogar nur noch 1,7 Prozent für 2018 und minimal erhöhte 1,9 Prozent für 2019 erwartet. Noch tiefer würde es wohl gehen, wenn die angekündigten Trump?schen Strafzölle auf Autos wirklich kommen würden.

Lockere Finanzbedingungen

Während die US-Notenbank die Zinswende auch gegen den erklärten Willen des Weißen Hauses eingeleitet hat, herrscht in Europa immer noch die Nullzinspolitik der EZB. Damit werden die internationalen Kapitalströme zunehmend in die USA gelenkt.

Aber bald sollte Schluss sein mit der Nullzinspolitik in Europa. Marktliquidität und eine stabile Wirtschaft wurden nicht nur auf Kosten der Millionen Zinssparer erkauft, sondern auch durch das Ansteigen der Vermögenswerte. Das bezieht sich insbesondere auf Aktien, Anleihen und Immobilien. Wenn jetzt die Liquidität zurückgeführt wird, wird so manche Blase auch bei uns platzen.

Fazit

Wir wissen wirklich nicht, wann und wo es zum nächsten Crash mit einer sich anschließenden Krise kommt. Fakt ist aber, dass die EZB dann wohl als Retter ausfallen wird. Stattdessen müssen dann schmerzhafte Reformen angepackt werden, die in den letzten 10 Jahren von der Politik wissentlich verschlafen wurden.

Für Aktiensparer empfehlen wir weiterhin die Sicherheit eines gemanagten international aufgestellten Fonds, da die Chancen, die Folgen eines Crashs abzufedern, aufgrund der breiten Streuung des Anlagekapitals so höher sind als mittels eines Einzelinvestments.weitere Themen

Neuer Tiefpunkt für die Deutsche Bank

Neuer Tiefpunkt für die Deutsche Bank

Nicht erschrecken: Der Aktienkurs der Deutschen Bank ist auf keinen neuen Tiefststand gefallen. Der Negativrekordwert von 8,76 Euro vom 27.6.2018 bleibt uns erhalten. Aber es könnte durchaus sein, dass der Kurs bald wieder die Südgrenze austesten wird.

Was ist passiert?

Der neue Tiefpunkt ist darin zu sehen, dass die Deutsche Bank den Euro Stoxx 50, den europäischen Benchmark-Index, am 24.9.2018 verlassen muss – ein von Branchenkennern erwarteter Abstieg mit Ansage, denn die Deutsche Bank ist aktuell nur noch ein Schatten ihrer einstigen Größe.

Die Papiere des ehemaligen Branchenprimus haben seit Jahresbeginn fast 40 Prozent verloren: 2.1.2018 = 15,96 Euro; 31.8.2018 = 9,70 Euro – das ist mehr als jeder andere Wert im Euro Stoxx 50. Dadurch sanken die Marktkapitalisierung und der Aktienkurs so kräftig, dass die Aktie nun auf Basis der Schlusskurse vom 31.8.2018 aus dem europäischen Auswahlindex aussteigt.

Der Ausstieg bedeutet, dass die Aktie weitere Tiefstkurse erleben wird. Schließlich sind alle ETFs und Indexzertifikate, die den Euro Stoxx 50 als Grundlage haben, gezwungen, die Aktie aus ihrem Wertpapierportfolio zu verkaufen. Aber auch gemanagte Fonds, die sich teilweise oder ganz an dem Index orientieren, werden ihre Bestände an Deutsche-Bank-Aktien einer kritischen Prüfung unterziehen und gegebenenfalls mit Verkäufen reagieren.

Die Marktkapitalisierung des einstmals renommierten Bankhauses beträgt aktuell nur noch circa 20 Milliarden Euro, die Dividende lag zuletzt bei mickrigen 0,11 Euro pro Aktie, was aber immerhin einer ausgewiesenen Dividendenrendite von 1,13 Prozent entsprach.

Wer hat Schuld am Bankendesaster?

Die Deutsche Bank AG gehörte und gehört immer noch zu den führenden internationalen Finanzdienstleistern. Über die rund 2650 Niederlassungen in mehr als 70 Ländern werden mehr als 25 Millionen Kunden weltweit betreut. Heimatmarkt dabei ist Europa, wo man in zahlreichen Ländern mit eigenen Filialnetzen vertreten ist. Basierend auf dieser starken Stellung in Europa hat das Institut in den vergangenen Jahren seine globalen Aktivitäten konsequent ausgebaut und sich dabei zuletzt vor allem auf die wachstumsstarken Märkte Asiens fokussiert.

Früher hat sich die Deutsche Bank (speziell zu Zeiten von CEO Josef Ackermann) gern mit der US- Konkurrenz verglichen, auch wenn sie niemals die Werte der Global Player im internationalen Finanzdienstleistungsgeschäft erreicht hat. Aber seit der Finanzkrise geht es kontinuierlich abwärts und leider nicht nur mit der Deutschen Bank und der Commerzbank.

Verglichen mit den US-Banken fallen Europas führende Kreditinstitute immer weiter zurück. Zwar konnten Europas Großbanken im ersten Halbjahr ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern. Jenseits des Atlantiks waren die Überschüsse aber erneut deutlich höher. So verdienten die 10 nach Bilanzsumme größten Geldinstitute in Europa in den ersten 6 Monaten 2018 unter dem Strich zusammen 26,3 Milliarden Euro und damit immerhin 9 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Die 10 größten US-Banken brachten umgerechnet rund 69,1 Milliarden Euro auf die Waagschale, was einem Plus von gut 19 Prozent entspricht.

Erneut gesteigerte 87,5 Milliarden Euro (USA) Vorsteuergewinn stehen dabei stagnierenden 40,6 Milliarden Euro (Europa) gegenüber. Die nüchterne Halbjahresbilanz der Ernst & Young-Finanzexperten: „Seit 2012 sind die Gewinne der amerikanischen Banken zum Ende eines ersten Kalenderhalbjahres jeweils mindestens doppelt so hoch wie die ihrer europäischen Konkurrenten.“

Die Fehler liegen auf der Hand: Die Steuerreform von Präsident Trump bescherte der boomenden US-Wirtschaft und damit auch dem Bankensektor eine zusätzliche Initialzündung. In Europa dagegen gab es so gut wie keine Steuersenkungen. Im Gegenteil, in Deutschland gilt das Prinzip „rechte Tasche, linke Tasche“. Wo etwas gesenkt wird, wird es woanders wieder erhöht.

In Europa sind 10 Jahre nach der jüngsten Finanzkrise die Altlasten noch immer nicht abgearbeitet. Abschreibungen sowie Restrukturierungs- und Rechtskosten belasten nach wie vor die Bilanzen, obwohl der als Sanierer eingesetzte John Cryan eine Vielzahl von Rechtsstreitigkeiten der Deutschen Bank beendet hat – leider zulasten der Gewinne.

Die US-Regierung hatte den Banken nach der Krise 2007/2008 zwangsweise Staatsgeld verordnet. Das sorgte nach Ansicht vieler Experten dafür, dass sich die dortige Finanzbranche deutlich schneller erholte. In Deutschland jedoch war die Deutsche Bank zu stolz, um Staatsgeld anzunehmen. Die Manager wollten lieber keine Kontrolle durch den Staat – verständlich angesichts der Vielzahl der Leichen im Keller.

Während die US-Notenbank die Zinsen längst wieder angehoben hat und weitere Anhebungen zu erwarten sind, hat die Europäische Zentralbank eine erste Zinserhöhung frühestens für Herbst 2019 in Aussicht gestellt. Das führt dazu, dass die US-Schwergewichte an der Börse weit mehr wert sind: Während die Marktkapitalisierung der 10 größten US-Banken bis zum Stichtag 3.8.2018 auf gut 1,3 Billionen Euro stieg, sank der Börsenwert der 10 größten europäischen Institute seit Jahresbeginn sogar noch auf zusammen 561 Milliarden Euro.

Fazit

Deutsche-Bank-Aktien wurden zu Recht abgestraft. Bisher konnte der im Mai ans Ruder gekommene CEO Christian Sewing das Bankhaus nicht auf einen Erfolgskurs bringen. Viel Zeit hat er nicht mehr, eine echte Erfolg versprechende Strategie leider auch nicht.

In unserem Fonds ist keine Bank enthalten. Und genau das empfehlen wir den Kleinanlegern auch. Es gibt interessantere Werte wie z. B. die jungen Start-Ups im Fintech-Bereich.weitere Themen

Leerverkäufe – Nichts für Kleinanleger

Leerverkäufe – Nichts für Kleinanleger

Eine kleine, gut erhaltene Villa am Waldesrand gelegen mit gepflegtem Gartengrundstück davor – doch wir brauchen Geld, also müssen wir unsere Villa eben verkaufen, stellen die Offerte online und schauen, was passiert. Dafür bekommen wir dann früher oder später zwei stabile Armringe verpasst und finden uns in einer Zelle wieder. Dumm gelaufen, die Villa gehörte uns nämlich gar nicht.Aber was im wirklichen Leben meistens schiefläuft, kann an der Börse durchaus funktionieren und sogar ordentlich Geld abwerfen, wenn es richtig angepackt wird. Die Rede ist von Leerverkäufen.

Was sind Leerverkäufe?

Ein Leerverkauf, auch Blankoverkauf oder englisch short sale genannt, ist im Bank- und Finanzwesen ein Verkauf von Basiswerten (Devisen, Wertpapiere oder Commodities), die sich zum Zeitpunkt der Verkaufsvereinbarung nicht im Eigentum des Verkäufers befinden. Es handelt sich also um einen Verkauf, bei dem der Verkäufer bei der Verkaufsvereinbarung die Basiswerte nur geliehen hat, um sie bei der Abwicklung dann zu liefern. Das bedeutet, er muss sich die Basiswerte bis zum Verkaufstermin beschaffen oder sich auch damit eindecken, um sie liefern zu können. Wir sprechen in diesem Fall dann auch von einem Deckungskauf.

Unterschieden wird hierbei zwischen Kassageschäft und Termingeschäft.

Kassageschäft

Ein Leerverkauf in Form eines Kassageschäfts unterscheidet sich in Abschluss und Abwicklung nicht von einem normalen Verkauf. Hier wird davon ausgegangen, dass der Verkäufer im Besitz der Ware ist. Das bedeutet, dass der Leerverkäufer den verkauften Wert innerhalb der marktüblichen Fristen liefern muss. Bei Wertpapieren hat er in der Regel Zeit, sich beispielsweise die Aktien, die er leer verkauft hat, binnen drei Tagen zu beschaffen. Das geschieht in der Regel mit einer Leihe der Wertpapiere; damit wird er juristischer Eigentümer der geliehenen Papiere. Wirtschaftlich ausschlaggebend dabei ist, ob durch den Verkauf eine Shortposition entsteht, das heißt, ob der Verkäufer durch die Transaktion wirtschaftlich von einem Preisrückgang der verkauften Aktien profitiert.

Fakt ist aber auch, dass der Leerverkäufer den verkauften Wert zu einem zukünftigen Zeitpunkt zurückkaufen muss. Ist die Spekulation aufgegangen und der Preis des Wertpapiers bis dahin gefallen, muss der Verkäufer einen geringeren Preis als den zahlen, den er bei dem Verkauf erzielt hat, und erzielt somit einen Gewinn abzüglich der Leihgebühren. Hat er den Markt jedoch falsch eingeschätzt, und der Preis ist gestiegen, macht der Verkäufer einen Verlust, da er sich zu einem jetzt höheren Preis eindecken muss.

Termingeschäft

Anders läuft es bei Leerverkäufen über unbedingte Termingeschäfte (Forwards und Futures). Bei Termingeschäften muss im Gegensatz zum Kassageschäft erst in der Zukunft geliefert werden, also nicht wie üblicherweise innerhalb von drei Tagen. Der Leerverkäufer kann den Leerverkauf vor dem Verfallstermin glattstellen, indem er den gegenläufigen Terminkauf tätigt, oder er kann den Basiswert vor dem Fälligkeitstermin kaufen und bei Verfall liefern. Gewinn- und Verlustmöglichkeiten entsprechen denen des Kassageschäftes.

Wer verleiht Aktien und wer verdient daran?

In erster Linie sind es die großen Aktienfonds und Banken, aber auch Versicherungen, die mit den in ihren Depots befindlichen Aktien über die Leihgebühr zusätzliche Einnahmen generieren. Damit ist auch klar, dass es sich hier um ein Geschäft dreht, das den Profis vorbehalten ist, also nichts für Kleinanleger. Große milliardenschwere Hedgefonds sichern damit ihre Positionen ab.

Welchen Nutzen haben Leerverkäufe und wer kontrolliert sie?

Trotz aller Vorwürfe – die Leerverkäufe haben die weltweite Finanzkrise mit ausgelöst – gibt es dennoch eine Berechtigung für diese Geschäfte. So dienen Leerverkäufe zum Beispiel als Spekulation auf zukünftige Preisänderungen, im Falle des Leerverkaufs ein Preisrückgang, als Absicherungsgeschäft (Hedgegeschäft), wenn ein Terminkauf eines bestimmten Gutes über den Leerverkauf desselben Gutes abgesichert wird, oder zur Ausnutzung von Preisinkonsistenzen zwischen dem Kassamarkt und dem Terminmarkt (Arbitrage), etwa in Form der umgekehrten Cash-and-Carry-Arbitrage.

Die in Folge der Finanzkrise verschärften internationalen Regularien für Leerverkäufe lassen ein Verbot von solch hochspekulativen Geschäften oder zumindest Einschränkungen zu. In Deutschland kann die BaFin gemäß § 6 Abs. 1 WpHG Leerverkäufe für inländische Aktien untersagen, wenn eine erhebliche Marktstörung droht, wie es zum Beispiel bei einer erneuten Finanzkrise der Fall wäre. Vergleichbare Eingriffsmöglichkeiten gibt es auch in anderen Ländern.

Leerverkäufe müssen in Deutschland offengelegt werden und sind dem Bundesanzeiger zu entnehmen. In anderen Ländern gibt es adäquate Offenlegungspflichten, um den Ausbruch einer Finanzkrise zu verhindern bzw. rechtzeitig gegenzusteuern.

Fazit

Auch wenn es uns als Kleinanleger nicht betrifft, sind die Schwankungen durch Leerverkäufe doch interessant für unser Fondsmanagement. Zum Beispiel wurde unser Wert K + S bereits mehrfach laut Bundesanzeiger leer verkauft. Aber keine Sorge, unsere Aktien sind alle noch im Depot! Es ist, wie gesagt, nur ein Spiel für die ganz Großen.weitere Themen

Realitätsfremde Visionen von Braunkohleausstieg und E-Mobilität

Realitätsfremde Visionen von Braunkohleausstieg und E-Mobilität

Immer wieder in der Diskussion: Nach dem beschlossenen Ende der Atomkraft gibt es jetzt erneut auch Überlegungen zum Braunkohleausstieg. Während der Atomausstieg für den Steuerzahler als teurer Schnellschuss der Bundesregierung praktisch von heute auf morgen abgefeuert wurde, wurde für den Braunkohleausstieg jedoch eine Kommission gebildet – frei nach dem Motto: Wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann bilde ich einen ArbeitskreisOkay, hier ist es eine Kommission, aber wenn wir uns die Zusammensetzung der Kommission einmal ansehen, dann stellen wir fest, dass sie in der Hauptsache aus Ex-Politikern, Gewerkschaftern, Naturschützern und Energieunternehmen besteht. Unterrepräsentiert sind leider Wissenschaftler. Einen ersten Ausstiegstermin aus der Braunkohle gibt es mit 2034 aber schon.

Die Elektroautos verbrauchen Strom

Deutschlands Autofahrer werden von der Politik stets mal mehr, mal weniger zum Umstieg auf Elektroautos gedrängt, sogar mit Subventionen. Dabei können unsere Politiker froh sein, dass die deutschen Autofahrer ihr liebstes Kind noch nicht umgestellt haben. Denn wie in der Vergangenheit schon öfters wurde weder über die Herkunft der Elektroenergie für die zukünftigen mit Strom angetriebenen Fahrzeuge noch über die Kosten dafür ausreichend diskutiert. Voraussetzungen, Folgen und Kosten wurden und werden schlichtweg ausgeblendet, eigentlich wie immer, wenn eine kurzsichtig agierende und ahnungslose Politik etwas unbedingt durchdrücken will.

Dabei brauchen wir nur der Politik liebstes Kind, die Steuern, anzusehen. Hier ist es die Mineralölsteuer, die dann ja nicht mehr gezahlt werden muss, wenn nach einer Übergangszeit alle Benziner- und Diesel-Fahrer auf dann vielleicht noch subventionierte E-Autos umsteigen. Beim Wegfall dieser Energiesteuer muss der Fiskus einen Ausgleich schaffen, und das wird er auch. Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel muss dann bei einer aufkommensneutralen Umrechnung auf den Stromverbrauch von Elektrofahrzeugen zu einer zusätzlichen Energiesteuer auf Strom führen. Aber wer will hier eine Trennung von normalem Haushaltsstrom und Fahrstrom vornehmen?! Wenn wir davon ausgehen, dass hierbei nur der Autofahrer selbst belastet wird, ist es ein teures Luxusproblem, ein E-Auto zu fahren. Laut Studien müssen Stromkosten für Elektrofahrzeuge dann um 17,7 ct/kWh steigen. Bei einem Strompreis für einen Haushalt in Höhe von heute durchschnittlich 24 ct/kWh müsste der Fahrzeugbesitzer für die Stromladung folglich 41,7 ct/kWh zahlen, wenn nur er allein belastet würde und nicht der allgemeine Stromkunde. Dazu kämen dann noch die Kosten für die technische Umrüstung für die Trennung der Erfassungsgeräte. Wenn das von unseren Politikern so nicht gewollt wird, müssten die zusätzlichen Steuern auf alle Stromverbraucher umgelegt werden. Die Stromrechnung würde in diesem Fall allerdings in exorbitante Höhe steigen.

Abgesehen von der noch zu schaffenden und auch noch umzulegenden Infrastruktur gibt es einen weiteren Kostenfaktor, denn:

Die Energie wird knapp

Der hohe zusätzliche Energiebedarf für die Stromerzeugung erfordert einen erheblichen Ausbau an Kraftwerkskapazitäten. Da sich ein seine Freiheit gewohnter E-Autofahrer sicherlich nicht, von wem auch immer, vorschreiben lassen möchte, wann er sein Fahrzeug laden darf und wann nicht, werden die Lastspitzen gegenüber dem heutigen Stand steigen. Es wird daher einen enormen zusätzlichen Bedarf an Spitzenlastkraftwerken geben. Dabei wissen wir alle, dass Windkraftanlagen nur dann Strom liefern, wenn Wind weht, und Solaranlagen, wenn die Sonne scheint.

Grundlastkraftwerke wie Kernkraftwerke oder Kohlekraftwerke, die ja nach dem Willen ökologisch angehauchter Politiker jedweder Couleur abgeschafft werden sollen, sind zur Abdeckung von Spitzenlast ebenfalls nicht geeignet. Als Spitzenlastkraftwerke kommen nur Gasturbinenkraftwerke infrage, die im Betrieb aber sehr teuer sind. Damit sind weitere Strompreiserhöhungen so sicher wie das Amen in der Kirche. Der Weg über den Ausbau der Windkraft ist ebenfalls nicht einfach. Seriöse Studien gehen davon aus, dass dafür über 39 000 Windkraftanlagen gebraucht werden würden, wohlgemerkt zusätzlich. Oder aber wir machen die Energiewende rückgängig und bauen zur Deckung des zusätzlichen Strombedarfs laut Expertenmeinung dann entweder 18 Kernkraftwerke oder 36 Kohlekraftwerke.

Hat die Politik zu viel auf einmal gewollt?

Und damit schließt sich der Kreis: Die Politik hat den Atomausstieg gewollt, will die E-Mobilität auf den Straßen und jetzt auch noch den Braunkohleausstieg. Die Umlage für erneuerbare Energien als Subventionen für Öko-Strom wird die Stromrechnung zudem noch teurer machen. Und zusätzlich kommen die dann zunehmenden Befreiungen für die energieintensiven Betriebe, damit sie im Land bleiben und wenigstens die Leute weiter beschäftigen, die den ganzen Unfug bezahlen sollen. Dilettantismus pur!

Unserer bescheidenen Meinung nach besteht die Lösung in der Rücknahme des Atomausstiegs (trotz Tschernobyl und Fukushima) und der Verschiebung weiterer energiepolitischer Wenden, die nur zu Lasten der Verbraucher gehen. Um uns herum an den Grenzen sorgen ausländische Atomkraftwerke mittlerweile für unseren erhöhten Energiebedarf. Wir schaffen es doch jetzt schon nicht mehr.Sobald neue Technologien – verbraucherfreundlich und kostengünstig – vorliegen, können wir über eine Energiewende neu nachdenken, aber dann bitte auch im europäischen Maßstab.weitere Themen

Und täglich grüßt das Murmeltier

Und täglich grüßt das Murmeltier …

Nun, ganz so oft ist der amerikanische Präsident ja nicht in den Schlagzeilen, aber fast im Wochentakt legt er sich durch irgendwelche Drohungen auf Twitter mit Freund und Feind an. Und das Schlimme für die Welt daran ist, er setzt sie auch um. Und da die USA nun mal die weltgrößte Wirtschaftsmacht sind, müssen wir uns wieder damit beschäftigen. Denn der Einfluss auf die Märkte ist sehr groß.

Jetzt also wieder einmal gewaltige Sanktionen, sprich Strafzölle gegen China.

Welche Höhe haben die Strafzölle erreicht?

Den bisher gegenseitig verhängten Sonderzöllen auf Waren im Wert von 50 Milliarden Dollar folgten am 24.9.2018 Zölle der USA von weiteren 200 Milliarden Dollar (etwa 171 Milliarden Euro). Damit sind etwa die Hälfte aller Importe aus China mit Abgaben durch US-Zölle überzogen. Die neuen Zölle betragen zunächst 10 Prozent, ab Beginn des Jahres 2019 sollen 25 Prozent erhoben werden, hieß es in der Erklärung aus dem Weißen Haus. Es wurden aber auch einige Produkte von der ursprünglichen Sanktionsliste gestrichen, darunter Smart Watches von Apple (Folge eines Treffens des Präsidenten mit Apple-CEO Cook), Bluetooth-Artikel sowie Hochstühle und Autositze für Kinder.

Ziel der Strafzölle sei es, eine Änderung der chinesischen Handelspraktiken zu erreichen, erklärte Trump. Diese stellten, so Trump, „eine schwere Bedrohung für die langfristige Gesundheit und das Gedeihen der Wirtschaft der Vereinigten Staaten“ dar. Und prinzipiell hat er Recht, der Trump …

Zuletzt betrug das US-Handelsdefizit mit China 375 Milliarden Dollar. Trump findet das berechtigterweise unfair und hat seinen Wählern versprochen, das zu ändern. Seit Anfang Juli haben sich beide Länder gegenseitig mit Straf- und Vergeltungszöllen überzogen.

Aber China reagierte auch und versah die Warenimporte aus den USA mit Gegenzöllen in Höhe von 60 Milliarden Dollar. Wow, 200 Milliarden Dollar mit nur 60 Milliarden zu vergelten, ist fast schon eine Kapitulation der offiziell kommunistischen Führung Chinas vor dem kapitalistischen Erzfeind aus Amerika. Doch China kann nicht mehr Strafzölle verhängen. Schließlich sind die Importe aus den USA nicht so hoch. Das ist aber auch ein Beweis dafür, dass Trump mit seiner Meinung über das Ungleichgewicht in den Handelsbeziehungen zwischen beiden Nationen in der Praxis Recht hat. Und die nächste Drohung vom äußerst kommunikativen US-Präsidenten ist schon wieder in der Welt: Er werde im Falle einer chinesischen Vergeltung „die dritte Phase“ einleiten und weitere Waren aus der Volksrepublik im Wert von 267 Milliarden Dollar mit Sonderzöllen überziehen. Das wäre dann praktisch das gesamte Einfuhrvolumen der USA aus China.

Punktsieg für Donald Trump – ein Pyrrhussieg?

Nachdem Chinas Führung bereits die vereinbarten Verhandlungen mit den USA ausgesetzt bzw. abgesagt hat, ist der Glaube an schnelle Lösungen dort nicht mehr sonderlich hoch. Frustriert stellt sie in einem Weißbuch fest: „Die chinesische Seite hat enorme Anstrengungen unternommen, viele Diskussionsrunden mit der US-Seite geführt und praktische Lösungen vorgeschlagen.“ Doch sie sei „immer nur herausgefordert worden“. Chinas Führung wirft den USA Protektionismus vor, bezeichnet das Land als Rüpel im Welthandel und als Gefahr für die Weltwirtschaft, aber stellt wiederum auch fest, dass der Handel für beide Seiten sehr vorteilhaft gewesen sei.

US-Präsident Trump kritisierte in der Vergangenheit schon oft das hohe Handelsdefizit mit China und wirft der Volksrepublik Diebstahl geistigen Eigentums, Marktabschottung und unfaire Beihilfen für die eigene Wirtschaft vor. Daran hat sich bis heute nichts geändert. China weist dies immer wieder zurück.

Der Punktsieg für das Weiße Haus könnte sich aber auch sehr schnell in eine Niederlage verwandeln. Denn die Chinesen haben ihre Exportüberschüsse jahrelang in US-Anleihen gesteckt, immerhin im Wert von mehr als einer Billion Dollar. Damit ist China weltweit größter Gläubiger der USA. Mit dem Kauf der Staatsanleihen sorgten die Chinesen dafür, dass der US-Dollar als Weltleitwährung Nr. 1 etabliert blieb, trotz der hohen Inlandsverschuldung der Vereinigten Staaten.

Ok, die Chinesen sind in einer verzwickten Lage: Einerseits schaden sie sich selbst, wenn sie von heute auf morgen beschließen würden, keine neuen US-Anleihen mehr zu kaufen oder größere Bestände zu verkaufen. Der Wert der US-Schuldpapiere würde sinken – und China damit heftige Verluste bescheren. Andererseits aber besitzt China eine kaum zu unterschätzende Machtposition gegenüber den USA. Die größte Volkswirtschaft der Welt lebte und lebt auf Pump und davon, dass andere Nationen ihren Wohlstand finanzieren. Die Amerikaner sind davon abhängig, dass sie weiterhin Kredite von China bekommen, denn so viele Staatsanleihen kann selbst die US-Notenbank als vermeintlicher Retter in der Not nicht aufkaufen. Abgesehen davon würde der Dollar als dann beschädigte Weltleitwährung seine Reputation verlieren.

Fazit

Die Chinesen könnten langfristig als Sieger aus dem Handelskrieg hervorgehen. Die USA existieren seit 1776 und sind erst seit dem vergangenen Jahrhundert eine wirtschaftliche Führungsmacht, aber bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche sehr ungeduldig. Die Chinesen hingegen gehen mit großer Geduld und der Erfahrung von mehr als 5000 Jahren ihren Weg an die Weltspitze. Sie werden sich also kaum von irgendwelchen Handelskriegen aufhalten lassen.weitere Themen